Mühldorf – Stefan Leonhardsberger hat sich in den vergangenen Jahren mit seinem Musikkabarett im Haberkasten ein begeistertes Publikum erspielt. Am Freitagabend stand er nun zum ersten Mal mit seiner Band, den Pompfüneberern, auf der Bühne. Statt Kabarett war „AustroFolk“ angesagt, wobei man das Genre gleich getrost beiseitelassen kann. Der Abend war eine wunderbare Mischung aus Wiener Lied und Heartland-Rock, amerikanischem Folk mit österreichischen Texten, aber auch Walzer und Pop.
Der Name der Gruppe hat dabei wenig mit den Inhalten zu tun. Die Österreicher haben sich bei den Franzosen bedient. „Pompe funèbre“ hießen früher opulente Begräbnisse der Schönen und Reichen, daraus wurde in Österreich der „Pompfüneberer“, der Bestatter. „Der Bandname kommt daher, weil fast in jedem Lied einer stirbt“, scherzte Stefan Leonhardsberger.
Aber das stimmte dann doch nicht so ganz. Das Morbide hatte bei der Band eher einen hohen Spaßfaktor. Wenn Frontmann Leonhardsberger etwa über das Licht am Ende des Tunnels sang, von dem bei Nahtoderfahrungen immer die Rede ist, leuchtete es in seinem Stück vor allem aus einem Wirtshausfenster raus. Und als er sich musikalisch seine eigene Beerdigung ausmalte, heißt die alles entscheidende Frage: „Grill oder Gruft?“
Musikalisch war der Abend ein bunter Reigen – emotionale Achterbahn inklusive. Es gab was fürs Gemüt, was Tröstliches „für die gebeutelte Männerseele“, was Melancholisches sowie laute, lebensbejahende und tanzbare Stücke. Da ist das schaurig-bittere Lied über einen 54-jährigen Mann, der bei seiner Mutter lebt und sich gemeinsam mit ihr mithilfe von Tabletten in einen ewigen Schlaf versetzt. Aber auch das Kabarettistische kam nicht zu kurz. Es fallen Sätze wie „Wir wollen uns wieder beruhigen. Beruhigen Sie sich.“ Dann performte er genial überzogen den Rap „Baby, du glitzerst wie ein Diamant“.
Mick Lopac an der E-Gitarre, Stefan Gollmitzer am Schlagzeug, Uli Fiedler am Bass und Martin Schmid an der Rhythmusgitarre, der den Frontmann auch bei seinem Kabarettprogramm begleitet, produzierten absolut geländegängige Rockmelodien. Die eigenen Songs der Band versetzten einen dabei zurück in die 70er-Jahre.
Die Band gibt es zwar erst seit sechs Monaten, doch sie spielte, als stünde sie schon seit einer Ewigkeit zusammen auf der Bühne. Egal, welchen Stil sie sich vornahmen, es klang immer ausnahmslos gut. Neben Heartland-Rock hatten die Pompfüneberer natürlich viel Wiener Lied im Angebot. Leonhardsberger nahm das Publikum mit in die Wiener Hinterhöfe und durch die Wiener Einkaufsmeile Mariahilfer Straße. Wie für Leonhardsberger gemacht ist auch das Paradestück von Hans Moser „Wenn der Herrgott net will, nutzt es gar nix“.
Sowohl der Musiker als auch der Frontmann Leonhardsberger glänzten an dem Abend mit großer Spielfreude, was allein schon den gecoverten Sinatra Song „That‘s Life“ zu einem Genuss machte. Und als Zugabe erzählte Stefan Leonhardsberger sprichwörtlich noch die Geschichte vom Pferd. Ein psychedelisches „Mini-Musical“, in dem er die Erlebnisse eines drogensüchtigen Polizeipferdes zum Besten gab, angereichert mit Songs wie „The End“ von den Doors oder „Peter Gunn“.
So gab der Abend die Antwort auf die Frage, wie es klingt, wenn ein Kabarettist Musik macht: einfach nur gut.