Mühldorf – Es könnte „hey, taxi, kuski“ geheißen haben, was Jaakko Laitinen im Refrain eines Liedes gesungen hat. Was das heißt, kann auch eine Internet-Recherche nicht klären. Ist aber auch eigentlich vollkommen egal. Den finnischen Text musste das Publikum im Haberkasten nicht verstehen. Die Mischung aus Musik vom Balkan, aus Georgien, Russland, finnischem Humppa – einer Foxtrott-Version – und Gypsy-Sound verbreitete nämlich Lust, ausgelassen zu tanzen. Tempo. Rhythmus. Und dieses Gefühl: Eigentlich ist das Leben oft hart und traurig – aber genau deshalb müssen wir jetzt feiern, tanzen, einfach auf alles pfeifen.
Während der ersten Nummer, deren Titel Frontmann Jaakko Laitinen mit – wie bezeichnend – „Prost, aufs Leben“ übersetzte, war man noch ein bisschen damit beschäftigt, ihn zu bestaunen. Er trug einen roten, zweiteiligen, glitzernden Anzug (ein bisschen wie Elvis in den 1970ern), die Art, wie er sich bewegte (ein bisschen wie Frank Sinatra) und dann diese tiefe Stimme. Ein echter Typ. Er rollte ausgelassen Zäpfchen-R, skandierte: Hey, hey, hey und zwinkerte auch mal seinen vier Bandkollegen von Väära Rava zu, was übersetzt übrigens „Falschgeld“ heißt. Die Mitstreiter waren optisch weniger auffallend als der Chef. Aber musikalisch alle genauso außergewöhnlich. Tuomo Kuure am Kontrabass konnte man erst während der Zugabe in einem Solo hören. Schlagzeuger Janne Hast hielt den Laden irgendwie zusammen. Trompete und wahlweise Bouzouki waren atemberaubend schnell, was auch für das Akkordeon von Marko Roininen galt.
Zu hören waren melancholische Liebeslieder wie „Mustikka“ (Blaubeere). Aber die Nummern, die zum Tanzen einluden, überwogen ganz eindeutig. Da war etwa „Tanssi, tanssi“. Ja, ganz recht: Manchmal ist Finnisch gar nicht so weit weg vom Deutschen; das heißt übersetzt nämlich: Tanz, tanz! Es geht darum, Materielles hinter sich zu lassen, sich davon frei zu machen, um losgelöst zu tanzen – auf der Website der Band finden sich zum Glück einige englische Übersetzungen der Songs.
In „Yö Rovaniemellä“ dreht sich alles um eine Nacht in der in Lappland gelegenen Stadt Rovaniemi. Es ist eine Komposition des Schlagzeugers. Überhaupt spielen Jaakko Laitinen & Väära Rava ausschließlich eigene Songs. Das macht es umso erstaunlicher, dass man sofort zu ihnen tanzen möchte.
Wobei die Band dazu auch Unterstützung vor der Bühne hatte. Drei Fans aus Finnland waren extra nach Deutschland geflogen, um den Auftritt von Jaakko Laitinen & Väära Rava in Mühldorf zu erleben (siehe Infokasten). Die drei Herren tanzten alleine, forderten Damen im Publikum auf und waren am Ende bei Weitem nicht mehr die einzigen Tänzer.