Rott – Mozarts Klarinettenkonzert und sein Requiem an einem Abend: In der barocken Pfarrkirche von Rott am Inn durften die zahlreichen Besucher den beiden im Todesjahr 1791 entstandenen Werken des Salzburger Genies lauschen. Zusätzlich auf dem Programm stand die Trauermotette „O Jesu Christ, meines Lebens Licht“ von Johann Sebastian Bach. Der Wasserburger Bach-Chor und das BachCollegium Wasserburg wurden dirigiert von Angelica Heder-Loosli. Die Gesangssolisten waren Roswitha Schmelzl (Sopran), Luitgard Hamberger (Alt), Christian Zenker (Tenor) und Raphael Sigling (Bass). Die Soloklarinette spielte Marlene Noichl.
In Mozarts Klarinettenkonzert A-Dur KV 622 dominiert eine nach innen gekehrte Grundhaltung, die dennoch heiter, abgeklärt und fern aller Melancholie erscheint. Marlene Noichl gelang es meisterhaft, den innigen musikalischen Monolog bereits im Allegro mit einem strahlenden und ausdrucksvollen Ton zu Gehör zu bringen. Vom Orchester behutsam begleitet, betörte die ruhige Gesanglichkeit der Klarinette im Adagio. Das Rondo-Finale mit seiner von Noichl ungestüm vorgetragenen fröhlichen Melodie erwärmte in der doch recht kalten Kirche die Herzen der Hörer. Dem hellen Zauber des nur kurz nach Moll wechselnden Satzes konnte sich niemand entziehen.
Ernst und Feierlichkeit verströmte Bachs Trauermotette „O Jesu Christ, meines Lebens Licht“ BWV für Chor und Orchester, in der sich der Glanz der Blechbläser mit dem getragen singenden Chor zu einer klangvollen harmonischen Einheit verband. Bachs eher selten aufgeführte Motette wurde im Vergleich zum Klarinettenkonzert von Mozart vom Publikum mit leider nur verhaltenem Beifall bedacht.
Das Requiem d-Moll KV 626 besitzt insgesamt einen dunklen Klanggrund, der sich im Introitus zu einer bewegten Eindringlichkeit steigert. Den düster-wiegenden Beginn brach Roswitha Schmelzl nur kurz mit einem hellen, glockenreinen Sopransolo auf. Von drängender Intensität und voller Düsternis war das Kyrie, das der Chor klangmächtig intonierte. Als der Chor zu den wilden Läufen der Streicher das vorwärts stürmende „Dies irae“ sang, schien den Hörern der Atem zu stocken. Das „Tuba mirum“ mit dem Posaunensolo und dem von Bassist Raphael Sigling angestimmten, wundervollen Quartett der Sänger, aber auch die herabstürzenden Streicherfiguren im „Rex tremendae“ waren ein großer Hörgenuss.
Beseelt sang das Quartett im „Recordare“. Luitgard Hambergers raumfüllende Alt-Stimme und Christian Zenkers expressiver Tenor verströmten Trost und Zuversicht. Nach dem dramatischen, die Schrecken der Hölle beschwörenden „Confutatis“, in dem der Chor eine ungeheure Dynamik zeigte und die Frauen ein sanftes Flehen erklingen ließen, folgte das tröstliche „Lacrimosa“ mit den Seufzern der Violinen und das „Amen“. Ergreifend sang das Soloquartett im „Domine Jesu“, ausdrucksstark im dahinströmenden, lyrischen „Benedictus“.
Bewegend war auch das „Lux aeterna“ mit Roswitha Schmelzls wie aus großer Ferne klingendem Sopran und das abschließende „Cum sanctis“, in dem der Chor noch einmal seine prächtige Klangfülle demonstrieren konnte. Nach einem kurzen Moment des Innehaltens erhob sich das Publikum und spendete Sängern, Chor und Orchester für ihre überragende Darbietung minutenlangen Applaus.