Tanzende Schatten

von Redaktion

„Amazing Shadows“ begeisterte mit atemberaubenden Bildern im Haus der Kultur

Waldkraiburg – Die fantastische Welt der Schatten hat einen Namen: „Amazing Shadows“, wobei die Übersetzung der Bühnenshow des Shadow Theater Delight eine treffende Beschreibung des Spektakels vorausschickt: großartige Schatten. Präziser ausgedrückt bot sich dem Publikum im Haus der Kultur ein Blick auf Schattenwelten der Extraklasse aus Tanz-, Akrobatik und Schattentheater.

Das Spiel mit Licht und Schatten fasziniert und inspiriert schon kleine Kinder. Mit den Händen Vögel „fliegen lassen“, eine gruselige riesenhafte Hand auf die Leinwand „werfen“, einen Hund „bellen“ lassen, das kennt jeder. Die Bewegungskünstler von Amazing Shadows treiben die Chose in atemberaubender Perfektion und betörender Körperbeherrschung auf die Spitze und bringen in ausgefeilter Inszenierung mit passender musikalischer Untermalung, ausgeklügelter Videoprojektion und Lichteffekten die unterschiedlichsten Geschichten, Märchen oder Zeitreisen auf die Bühne.

Die Evolutionsgeschichte, die Erschaffung von Himmel, Erde und den wunderschönen und so mannigfaltigen Kreaturen, die sie bevölkern, mit derlei „einfachen und doch genialen“ Mitteln in Szene gesetzt zu sehen, war eine Offenbarung. Weniger war mehr: Hände tanzten über die die gesamte Bühne ausfüllende Leinwand. Planeten, Sterne, Farbspiele, Lichter und Schatten. Die Hände formen die Welt, scheinen die Menschen wie Knetmasse zu bearbeiten, bewegen ihre Körper marionettenhaft, verleihen ihnen Kraft, Leben, lassen sie tanzen und springen. Das Auge des Betrachters versucht jedes Detail wahrzunehmen und muss bei so vielen Reizen versagen. Schon sehr früh verabschiedet sich der „Kopf“, es bleibt der so wirkungsvolle Gesamteindruck der dargestellten archaischen Szenen. Alltag ade.

Die menschlichen und tierischen Körper gehen ohne Worte, nur mit Körpersprache, in Austausch. Urinstinkte lassen „wissen“, „erkennen“, um was es geht – für jeden um etwas anderes, und doch für alle das Gleiche. Die Ursprache des Menschen bedarf keiner Übersetzung. Es wird Feuer und Wasser erschaffen, Adam und Eva müssen das Paradies verlassen, sogar die Sternzeichen der erschaffenen Menschenrasse werden nachempfunden, wie etwa die Waage, die – in akrobatischer Figur im Gleich- oder Ungleichgewicht dargestellt – unmissverständlich metapherhafte Wirkung erzielt. Das Publikum spendet immer wieder begeisterten Zwischenapplaus, während die Darsteller in unglaublicher Geschwindigkeit die tänzerisch dargestellten Szenen und Figuren wechseln.

Hinreißend dargestellt wurde auch eine Reise eines Liebespaares durch die Länder Europas: Big Ben, Eiffelturm, ein Stierkampf, das Brandenburger Tor und viele andere Sehenswürdigkeiten erreichten die beiden im Motorboot, im Flugzeug oder mit dem Auto. Geht nicht, gibt’s nicht. Aus der Welt des Films grüßten Chaplin, horrorhaft tanzende Zombies, die an Jacksons „Thriller“ erinnerten und sogar Shrek mit seiner geliebten Fiona.

Der lange Schlussapplaus ließ keinen Zweifel, dass die Welt der Schatten auf magische Weise das Haus der Kultur voll in Besitz genommen hatte. Aufstehen und heimgehen war schwierig, denn irgendwie, so hatte man den Eindruck, war man in der über zweistündigen Reise durch die Welt der Fantasie selbst Teil der Show, selbst ein „Amazing Shadow“ geworden.

Artikel 6 von 7