Waldkraiburg – Dass die Besucher dieser Theateraufführung am Ende des Abends stehend Beifall spendeten, war sicher nicht nur der guten Inszenierung zu verdanken – sondern mindestens ebenso sehr dem Respekt vor der wahren Geschichte. Wieder einmal zeigte sich am Mittwoch im Haus der Kultur in Waldkraiburg, welche Eindrücklichkeit die historischen Ereignisse um Oskar Schindler immer noch haben.
Die Geschichte ist den meisten seit dem Hollywood-Film von Steven Spielberg bekannt, der ja ein Händchen für gute, auf der Leinwand funktionierende Geschichten hat: Oskar Schindler, ein deutscher Unternehmer und Lebemann im Dritten Reich, ist immer darauf aus, das Beste für sich herauszuholen. Neben seiner Frau Emilie unterhält er eine oder auch mehrere Geliebte, trinkt gern Hochprozentiges und trägt stets teure Anzüge. Ob Juden oder Christen, Deutsche oder Polen für ihn arbeiten, spielt in seiner Weltsicht keine Rolle, solange sie die Arbeit gut machen. Und da Juden zu der Zeit im besetzten Krakau die billigsten Arbeitskräfte sind, ist es für ihn gar keine Frage, wen er anstellt.
Während der Krieg und damit die Deportationen aus Krakau weiter fortschreiten, wird Schindler langsam klar, dass es längst nicht mehr nur um sein eigenes Wohl geht, sondern dass an der Firma das Leben all seiner Arbeiter hängt. Seinen zwiespältigen Charakter – seinen Eigennutz, seine guten Beziehungen zu den Nazis, aber auch seine Loyalität und seinen Mut – stellen sowohl Film wie auch das Bühnenstück dar.
Anders als der Film ist die Handlung auf der Bühne aber in einen Dachboden eingebettet, in dem die Erben der letzten Geliebten von Oskar Schindler einen Koffer voller Dokumente, Briefe und auch die namensgebende Liste finden (ebenfalls an tatsächliche Ereignisse in Hildesheim angelehnt, wo Oskar Schindler 1974 verstarb). In ihren Diskussionen, die die Handlung begleiten, wird die Ambivalenz von Schindlers Charakter deutlich gemacht. Dass er „seinen“ Juden schließlich unter Einsatz seines Lebens das ihrige rettet, dass er alles für sie riskiert, macht am Ende die Großartigkeit seiner Entwicklung aus.
Weit mehr als der Film geht das Stück auch auf die Rolle von Emilie Schindler als gute Seele der Firma nach deren Umzug nach Brünnlitz ein und auf denWerksleiter Abraham Bankier, ohne den Schindler die Firma nicht erfolgreich hätte führen können und der immer wieder mit Schläue großen Einfluss auf Schindlers Entscheidungen ausübt. Die Rettung der über 1000 Menschenleben ist auf der Bühne also wesentlich weniger der Verdienst nur von Schindler, sondern auch der Menschen, die ihn umgeben.
Autor Florian Battermann hat die Ereignisse für die Bühne in eindrücklichen, authentischen Szenen dramatisiert. Während die verschiedenen Dialekte – die jiddischen Lautungen, die polnischen, das zackige Deutsch – zu Anfang noch etwas gestelzt wirken, verliert sich dieser Eindruck mit der Zeit. Die Darstellung des jüdischen Miteinanders oder die Auftritte von Schindlers Geliebten, zum Beispiel die der Sekretärin, wirken stellenweise einigermaßen klischeehaft. Die gute Leistung des Ensembles, allen voran Dimitri Tellis als Abraham Bankier und Armin Riahi als „Schlächter von Płaszów“ Amon Göth, bringen aber in vielen Szenen die Vielschichtigkeit des Themas hervorragend auf die Bühne.
Die beklemmende Atmosphäre der Geschichte transportiert auch das intelligente Bühnenbild und die passende akustische Untermalung. Insgesamt eine Inszenierung, die einen schwierigen historischen Stoff lohnend auf die Bühne gebracht hat.