Mühldorf – Warum das ganze Jahr über jeden Tag das Weltgeschehen verfolgen, Nachrichten schauen und sich informieren? Dafür gibt es Django Asül. Seit acht Jahren tourt er immer zum Jahresende mit seinem Programm „Rückspiegel“ durch die Lande und hilft den Leuten das nachzuholen, was sie die vergangenen zwölf Monate über verpasst haben. Am Samstagabend war er im Mühldorfer Haberkasten zu Gast. Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt.
Zu Beginn entschuldigt sich Django Asül zuerst einmal dafür, dass er die Dezember-Ereignisse noch nicht habe in sein Programm einarbeiten können. Das Mühldorfer Publikum verzeiht’s ihm schnell, denn die anderen Monate rackert er akribisch ab. Nichts ist ihm entgangen, keine verbale Verfehlung eines Politikers, kein missratener Werbespot, kein Fehlgriff bei der Besetzung einer TV-Show. Highlights und Tiefpunkte, politische, gesellschaftliche, kulturelle und sportliche reiht der bekannte Kabarettist dabei geschickt aneinander, sodass der „Rückspiegel 2018“ nicht nur einzelne Geschichten erzählt, sondern wirkt wie aus einem Guss.
Da geht es natürlich um die Bayerische Landtagswahl, um die Weltraumpläne namens „Bavaria One“ eines Markus Söders, die die Wohnungsnot in bayerischen Städten lösen sollen, es geht um die SPD, die eigentlich gar nicht mehr tiefer fallen kann, weil sie schon ganz unten angekommen ist und es dann doch versucht, indem sie Briefe an Erstklässler schreibt mit der Bitte, ihre Eltern mögen bei der Wahl das Kreuz an der richtigen Stelle machen, um Donald Trump und seine Twitter-Nachrichten, aber auch um „sportliches Prekariat“, wenn er vom Vorrunden-Aus der deutschen Fußballnationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in diesem Sommer spricht.
In zwei Stunden fasst Django Asül die „Essenz des Jahres“ gekonnt zusammen. Für ihn ist ganz klar, das Jahr 2018 wird als das Jahr der „Merkel-Dämmerung“ in die Geschichte eingehen. Er spart nicht mit Spitzen gegen Bundes- und Landespolitiker, pflügt durch’s neue wie durch’s ehemalige Kabinett und liefert ganz nebenbei zu all dem politischen Wirrwarr, skurrile Tiergeschichten und auch einige Seitenblicke auf die moderne Gesellschaft. Facebook-Chef Mark Zuckerberg schickt er mit einer „Gurgelzapferlprellung“ in Folge eines langandauernden Lachkrampfes vom Termin mit dem Europäischen Parlament nach Hause – ob der Unwissenheit und Milde der Abgeordneten. Tibetanische Doggen entpuppen sich außerdem als Bären und ein ehemaliger Regierungssprecher ist bei einem großen deutschen Automobilkonzern zuständig für Abgas-Experimente mit Affen. Was allerdings den 34-jährigen Andreas Gabalier zum ausgewiesenen Experten für die 68er-Bewegung machen soll, wie in einer TV-Gala suggeriert, das muss dann selbst Django Asül offen lassen.
Wer Django Asül aufmerksam zuhört, ist wieder im Bilde, was sich übers Jahr in der Welt so zugetragen hat und kann jetzt wieder abschalten, bis zum „Rückspiegel 2019“.