Waldkraiburg – Für zwei Stunden noch einmal Kind sein – das erlebten die Besucher des Balletts „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ am Mittwochabend im Haus der Kultur. Rund 30 Darsteller des Moldawischen Nationalballetts wirbelten, schwebten und stolperten über die Bühne. Mit farbenfrohen Kostümen und ausdrucksstarken Tänzern verging die Zeit wie im Flug.
Choreograf Ghenrih Mairorov teilte in dem Stück allen Darstellern nahezu gleichwertige Rollen zu: Zusätzlich zu Schneewittchen, den Zwergen, der Stiefmutter und dem Prinzen traten zahlreiche Tiere auf. Sie putzten mit der Prinzessin, spielten mit ihr im Wald und tanzten schließlich mit dem erlösten Paar. Und auch die Stiefmutter wurde in ihrer Kammer mit dem drei Meter hohen Spiegel und als arme Frau im Wald stets von Fledermäusen begleitet, sodass ihre Auftritte nicht als Solo wirkte. Als Spiegel in dem dämonisch rot erleuchteten Zimmer diente ein grobmaschiger, durchsichtiger Stoff, auf dessen anderen Seite eine Person mit opulenter Maske oder Schneewittchen selbst auftraten. Auch der Rest des Bühnenbilds bestand aus transparentem Stoff. An den Seiten blieben stets Vorhänge mit Bäumen, der Hintergrund wechselte mit den Szenen. Dies gelang rasch; es blieb jedoch genügend Zeit, sich mit seinen Begleitern und Nachbarn über die vergangenen Sequenzen auszutauschen. Seine naiv-kindliche Liebe zu Schneewittchen zeigte jeder der Zwerge in einem kurzen tollpatschigen Solo, der dies stets mit begeisterten Applaus des Publikums beendete. Denn bei aller Tölpelhaftigkeit zeigte sich dennoch unglaubliches Können in langen Pirouetten, Sprüngen und Drehungen in der Luft.
Die Tänzer nutzten nicht nur klassische Ballettschritte, sondern bauten auch moderne Bewegungen hinzu, wie Achselzucken und kreisende Arme. Zusammen mit den eng anliegenden Kopfbedeckungen erinnerten die Tiere teilweise an die Mode und Tänze der 1920er. Auch die Zwerge stolperten nicht immer im klassischen Ballett über die Bühne, sondern verwendeten Elemente des Modern Dance: Ein sehr fauler Zwerg rollte über die Bühne, hob lediglich seinen Hintern, um dann wieder weiter zu Schneewittchen zu rollen – sehr zum Amüsement des Publikums.
Das Stück lud zudem ein, schauspielerische Gesten einfließen zu lassen. Besonders der Jäger ist hervorzuheben: Er rang mit sich, Schneewittchen umzubringen, indem er immer wieder in der Bewegung verharrte, das Messer in Schneewittchen zu stoßen. Auch die Wut der Königin darauf, dass es nicht gelang, zeigte sich deutlich: Der Jäger wurde Pirouetten drehend von seiner Herrscherin geohrfeigt. Hier wurde dem Publikum klar, wie schön ein Theater ohne Worte funktionieren kann. Schade, dass das Stück so spät begann: Eine frühere Vorstellung hätten sicherlich mehr Kinder besucht, die an dieser Aufführung viel Freude gehabt hätten.