Waldkraiburg – Am 8. März 1963 lief der Klassiker „Dinner for One“ erstmals im deutschen Fernsehen und gehört seitdem – getreu dem Motto „The same procedure as every year“ – zum Jahreswechsel wie das Feuerwerk um Mitternacht. Dass der legendäre Kult-Sketch über den 90. Geburtstag von Miss Sophie, den sie mit ihrem Butler James feiert, live und in Farbe auf der Bühne genauso gut funktioniert wie die Schwarz-Weiß-Version auf den TV-Bildschirmen, das bewies das Ensemble der Komödie am Altstadtmarkt Braunschweig am Montagabend eindrucksvoll im Haus der Kultur. Und das zwei Wochen vor Silvester!
Das launige Stück von Jan-Ferdinand Haas mit Comedypreisträger Peter Nottmeier als Freddy Frinton (Buttler James) und Vollblutkomikerin Manon Straché als May Warden (Miss Sophie) in den Hauptrollen erzählt höchst amüsant und „very britisch“ die Entstehungsgeschichte von „Dinner for One“.
1962 im Theater von Edward Taylor (Thomas Henniger von Wallersbrunn) in Blackpool: Der Theaterdirektor rauft sich die Haare und fällt bei aller Verzweiflung – wie könnte es anders sein – über den Tigerkopf seines Teppichs. Fünf ausverkaufte Silvestervorstellungen des Sketches „Dinner for One“ stehen auf dem Programm, ein sechsköpfiges Ensemble ist bereit, da fällt in letzter Minute die Hauptdarstellerin aus. Taylor droht der finanzielle Ruin, sollte das Stück nicht aufgeführt werden können. Als Ersatz erbarmt sich die berühmte, aber durchaus divenhafte May Warden für die Rolle der Miss Sophie. Einzige Krux: Sie ist die Exfrau von Freddy Frinton und beide hatten sich nach einem Rosenkrieg eigentlich geschworen, nie wieder zusammen auf der Bühne zu stehen. Dank allerlei haarsträubender Notlügen gelingt es Taylor dennoch, beide vertraglich zu verpflichten. Doch die beiden drehen schließlich den Spieß um und beschließen die Aufführung zum Scheitern zu bringen. Mit unlauteren Mitteln ziehen sie die Darsteller der eingeladenen Freunde Miss Sophies – Sir Toby, Admiral von Schneider, Mr. Pommeroy und Mr. Winterbottom – von der Produktion ab. Doch sie haben Edward Taylor unterschätzt, denn: The show must go on!
Die hämische Bemerkung Frintons – „Bei so vielen Abwesenden hätten wir lieber ein Stück mit Geistern in den Hauptrollen aufführen sollen“ – bringt ihn auf die rettende Idee: Aus dem 90. Geburtstag wird „Dinner for One“ und Butler James muss zusätzlich zu seiner eigenen Rolle auch die der vier Freunde übernehmen, die alle bereits lange vor Miss Sophie das Zeitliche gesegnet haben.
Der Vorhang schließt sich und als er sich wieder öffnet nimmt der weltberühmte Sketch seinen Lauf, so wie man ihn aus dem Fernsehen kennt. Peter Nottmeier und Manon Straché mit ihrer Bühnenpräsenz und ihrem komödiantischen Talent werden den großen Fußstapfen, in die sie treten, durchaus gerecht. Spätestens wenn Butler James statt Portwein das Blumenwasser austrinkt, die Sprachfindungsstörungen so groß werden, dass für den Zuschauer nicht mehr klar erkennbar ist, ob deutsch oder englisch gesprochen wird, und Miss Sophie leicht pikiert die Augenbrauen hochzieht, fühlen sich die Zuschauer wie sonst kurz vor dem Jahreswechsel: wunderbar unterhalten!
„I’ll do my very best“ verspricht James Miss Sophie am Ende des Dinners bevor er sie zu Bett geleitet. Das Versprechen auf einen amüsanten Abend im Haus der Kultur wurde auf jeden Fall erfüllt.