Wasserburg – 2018 feierte der Arbeitskreis 68 sein 50-jähriges Bestehen. Mit der Ausstellung „Die Kommission hat entschieden“ in der Galerie im Ganserhaus endet nun das Jubiläumsjahr. Gezeigt werden die Ankäufe der Stadt Wasserburg seit 1968.
Damals, im November, fand mit der Gründung des Arbeitskreises 68 auch die erste „Große Kunstausstellung“ statt. Nicht alle Wasserburger waren begeistert, als die meist abstrakte Malerei in den historischen Rathaussaal einzog. Mittlerweile ist die Jahresausstellung des Kunstvereins nicht nur zu einer lieb gewonnenen Tradition geworden. Sie ist auch ein wichtiger Bestandteil des Kulturerlebens in der Region. Die Stadt selbst hat die besondere kulturelle Bedeutung von Anfang an erkannt. Der Stadthaushalt weist deshalb jedes Jahr 5000 Euro für den Ankauf von Arbeiten aus der Großen Kunstausstellung aus. Bürgermeister Michael Kölbl oder von ihm beauftragte Personen gehen dann auf Einkaufstour und setzen damit ein Zeichen kommunaler Anerkennung und Wertschätzung.
Seit 1968 entstand so eine bemerkenswerte Sammlung. Ein Teil der Arbeiten ist archiviert. Meist aber sind sie als Dauerleihgaben in den verschiedenen Ämtern im Rathaus zu sehen. Rund 100 Objekte wurden bislang erworben. 46 davon werden ausgestellt und führen auf eine spannende Zeitreise durch ein halbes Jahrhundert Gegenwartskunst in städtischem Besitz. Ein Zeitstrahl von 1968 bis heute begleitet die Ausstellungsbesucher durch die Galerie. Die für jedes Jahr vorhandenen Kataloge geben einen Überblick über alle jemals gezeigten Arbeiten. Ein Blick hinein ist spannend. Die Grußworte prominenter Persönlichkeiten finden sich darin, darunter Bürgermeister, Landräte und sogar eines von Ministerpräsident Franz Josef Strauß.
1969 erwarb die Stadt aus der Kunstausstellung unter anderem ein von Hedwig Emmel-Pilartz gefertigtes Kinderbildnis. Die Künstlerin stand zeitlebens im Schatten ihres Mannes Josef Pilartz. Möglichweise ist sie deshalb in Vergessenheit geraten. Ihr Pastellporträt „Mädchen mit Obstschale“ aber zeigt die beinahe perfekte Synthese zwischen Anmut und Ausdruck.
Neben der Malerei sind auch Plastiken und Skulpturen zu sehen. 1997 wurde die Metallarbeit in Edelstahl „Relief Nummer 26“ von Erich Hausner erworben. Plastiken des aus Baden-Württemberg stammenden Bildhauerprofessors finden sich in ganz Deutschland im öffentlichem Raum. Von Ute Lechner stammt die aus Eisen, Aluminium und Bronze gestaltete Skulptur „Das bin Ich“. Ihre Metallarbeiten sind ebenso wie Plastiken von Rudl Endriß an vielen öffentlichen Orten in der Region präsent. Von Endriß wurde die zweiteilige Bronzeplastik „Ohne Titel“ für die städtische Kunstsammlung erworben. Der in Söchtenau lebende Bildhauer wurde 2013 und Ute Lechner 2017 mit dem Kulturpreis geehrt, der höchsten künstlerischen Auszeichnung, die der Landkreis Rosenheim vergibt. Bemerkenswert ist auch die Serigrafie „Aufbruch“ von Omi (Otto Michael) Schneider. Die im Siebdruckverfahren gefertigte Kunstgrafik zeigt verschiedenfarbig kombinierte, markante Häuserfronten Wasserburgs.
Mögen die einzelnen Arbeiten auch stilistisch unterschiedlich wirken, sehenswert sind sie in jedem Fall. Gelegenheit besteht noch bis Sonntag, 6. Januar. In der Gesamtbetrachtung fügen sie sich zu einer lebendigen und hochinteressanten Bildchronik, in der Entwicklung und Veränderung der Gegenwartskunst in der Region von 1968 bis heute gut nachempfunden werden kann.