Ein Abend voller Blödsinn

von Redaktion

Arthur Senkrecht setzte den Haberkasten unter Wasser und ertränkt beinahe seinen neuen Spielkollegen

Mühldorf – Hellblauer Anzug, die Jacke zu kurz und falsch zugeknöpft, dazu eine orange Krawatte und ein wirrer Blick – das ist Arthur Senkrecht. Mit schlaksigen Beinen stolpert er seit rund 20 Jahren auf die Bühne. Dieses Mal mit einem anderen Kollegen: Sven Hussock ist der neue ständige Begleiter. Mit braun-kariertem Anzug ist der Pianist nicht minder gut gekleidet. Und so streiten und albern die beiden durch den Abend.

Die beiden sind Cousins, gehen zur Paartherapie. Hussock trennt sich gerade von seiner Frau – eine Gelegenheit, die Senkrecht für sich nutzt. „Must be Love“ heißt das aktuelle Programm, in dem Hussock ein Liebeslied auf dem Klavier vorzuspielen versucht. Es gilt einer Zuschauerin, in die er sich spontan verliebt hat. Arthur und fiktive Überflutungen vermasseln ihm dies jedoch alles. Erst nach der Pause gelingt es dann doch, zumindest halbwegs: Arthur soll die Partitur umblättern, kann aber keine Noten lesen. Als Lösung verbindet Senkrecht Pianist und Notenhalter mit Klebeband und heftet alle Notenblätter daran.

Für die Künstler galt es, sich mit Musik und Klängen perfekt abzustimmen: Aus den Lautsprechern dringt das Platschen von Gummistiefeln in niedrigem Wasser, und mit vermeintlich nassen Schuhen watet Senkrecht auf die Bühne. Ein Wolken- und Wasserbruch durchflutet daraufhin den Haberkasten, den die Schauspieler mit imaginären Eimern und dem Zuhalten von Löchern erfolgreich retten.

Spät wird klar, dass Hussock nicht wirklich Klavier spielt: Er klimpert liegend von oben auf die Tasten, das Publikum kann ihm beim Tastendrücken zusehen. Doch dann dreht der Pianist den auf Rollen gestellten Flügel um und spielt mit heruntergelassener Hose freihändig. Die Fertigkeit, kopfüber Klavierspielen vorzumachen, wie auch die Abstimmung mit den Wassergeräuschen, erfordert von den beiden Schauspielern unglaubliche Vorbereitung und Konzentration. Mithilfe des Regisseurs David Shiner – selbst Clown und zirkus-erfahren – ist dies gelungen. Das aktuelle Programm bietet mehr Zauberei als frühere Shows, wie der Tauchgang ins Klavier, der Geschmackstest, ob der Haberkasten Atom- oder Ökostrom kauft, und ein verschlucktes Mikrofon. Dafür reduzierte Senkrecht Gesang und Tanz mit seinen Gummibeinen, der früher dominierte. Wahre Senkrecht-Fans und Abonnenten der Mühldorfer Kleinkunst trafen an diesem Abend im fast ausverkauften Saal aufeinander. So waren nicht alle Gäste auf extreme Albernheiten und fliegende Karottenreste vorbereitet. Wer sich jedoch auf blöden Humor mit hoher Schauspielkunst einlassen konnte, wird mit einigen Lachfalten mehr heimgegangen sein.

Wie war‘s?

Werner Müller aus Dorfen:

„Mir gefällt Arthur Senkrecht richtig gut. Ich hätte mich totlachen können, als er sein Mikrofon verschluckt hat. Ich habe ihn vor 15 Jahren bereits gesehen und wusste, was auf mich zukommt. Schon damals ging im Streit mit einem Pianisten alles schief, was Senkrecht anfing. Damals war es aber weniger eindeutig, ob wirklich alles so geplant war, was schiefging. Ich fühle mich in meinen ersten Besuch zurückversetzt und habe mich sehr amüsiert.“

Gerlinde Schöngut aus dem Landkreis Erding:

„Ich bin hier hingekommen und habe mit Kabarett gerechnet. Auf so viel Klamauk hatte ich mich nicht vorbereitet. Aber die Veranstaltung hat mir gefallen. Am besten war, als Senkrecht den kleinen Finger im Klavier eingeklemmt hat. Diese und andere Ideen muss erst einmal einer so nachmachen. Die Einzelheiten waren gut ausgearbeitet, beide Schauspieler haben viel Energie hineingebracht. Wir haben uns ein Abo geholt und dann müssen wir für alle Darbietungen offen sein.“

Artikel 3 von 6