Zu zweit ein Buch schreiben, noch dazu mit dem Partner! Wie haben Sie das geschafft?
Wolfgang Burger: Wir arbeiten schon eine ganze Weile während des Schreibens unserer Bücher zusammen, lassen uns gegenseitig am Anfang das Exposé lesen, tauschen am Ende das Manuskript aus. Wir sind also beide kritikfähig und können einander so kritisieren, dass kein Blut fließt. Wenn man zu zweit schreibt, muss man außerdem genau planen. Wir haben uns ein Storyboard gemacht, wie es auch Filmemacher verwenden. Darin sind Zeit, Ort, Personen und die grobe Handlung vermerkt. Das war eine gute Basis.
Hilde Artmeier: So konnte jeder unabhängig vom anderen schreiben, wir konnten parallel arbeiten. Die Geschichte wird aus vier Perspektiven erzählt: zwei Männer, zwei Frauen. So war auch die Arbeitsteilung klar.
Wolfgang Burger: Wir sind mit dem Anspruch rangegangen, dass der Stil von uns beiden in den jeweiligen Passagen klar erkennbar sein soll. Jeder für sich hätte das Buch nicht schreiben können.
Wieso?
Hilde Artmeier: Wenn ich Bücher anderer Autoren mit unterschiedlichen Erzählperspektiven lese, habe ich manchmal das Gefühl: Da stimmt was nicht. Frauen denken nicht unbedingt so, wie Männer sich das vorstellen, und umgekehrt. Wenn man zu zweit schreibt, in unserem Fall aus der jeweils weiblichen oder männlichen Sicht, ist der Perspektivwechsel ganz natürlich. Ich habe bemerkt, dass jede unserer vier Figuren einen eigenen Erzählton hat.
Wolfgang Burger: Den bringen die Figuren mit, wenn sie sozusagen zur Welt kommen.
War es schwer, in der Zeit der gemeinsamen Arbeit auch Distanz zu „Gleißender Tod“ zu bekommen? Man hat dann ja ein großes gemeinsames Thema…
Hilde Artmeier: Ein großer Teil des Buches ist während eines Arbeitsurlaubes in Südschweden entstanden. Wir haben bis zum frühen Nachmittag geschrieben, danach hatten wir Zeit für unseren Urlaub: mit Spaziergängen und Fahrradfahren, wobei wir auch dabei oft über den Roman diskutiert haben. Ein Vorteil am gemeinsamen Schreiben war auch, dass das unsere Kreativität beflügelt hat. Wenn man mal nicht weiterkommt, beispielsweise weil eine Figur sich in einer Sackgasse befindet, hat es schon immer geholfen, mit dem anderen darüber zu sprechen.
Wolfgang Burger: Wir waren im Urlaub aber auch irgendwann an einem Punkt, an dem ich gesagt habe: „Hilde, jetzt müssen wir mal über was anderes reden!“
Hilde Artmeier: Ich habe erst geschluckt und dann gemerkt, wie sich Erleichterung in mir breitgemacht hat.
Sie haben beide eigene Krimireihen: Frau Artmeier, Ihre Privatdetektivin Anna di Santosa ermittelt in Regensburg, war im letzten Buch aber auch in Mühldorf, wo Sie selbst auf dem Ruperti-Gymnasium waren. Herr Burger, Ihre Hauptfigur, Kripo-Chef Alexander Gerlach, arbeitet in Heidelberg. Warum nun ein Buch zu zweit – ohne bekannte Helden?
Hilde Artmeier: Wir wollten mal etwas schreiben, womit wir nicht als Regio-Autoren wahrgenommen werden. Nach meinem letzten Buch bekam ich schon Fragen gestellt, wie: Darf eine Regensburger Regio-Autorin ihre Hauptfigur auch mal nach Mühldorf in Oberbayern schicken oder nach Italien? Wobei ich finde: Es geht um die Geschichte, nicht die Verortung. Unser gemeinsamer Thriller ist überregional angelegt: Er beginnt in Lagos in Nigeria, spielt aber auch in Frankfurt, den Benelux-Ländern, Paris und im Münsterland. Das haben wir bewusst so gemacht. Es bedeutet aber auch einen großen Aufwand, all das zu recherchieren. Wir waren überall – außer in Nigeria.
Welche Rolle spielt die Erfahrung, die Sie als Autoren eigener Krimireihen haben, dafür, dass Sie gemeinsam schreiben konnten? Konnten Sie die Kritik des anderen besser aufnehmen?
Wolfgang Burger: Selbstsicherheit ist schon ein wichtiger Faktor, um das anzunehmen. Als Jungautor neigt man vielleicht dazu, Kritik bockig abzulehnen oder voller Selbstzweifel gleich komplett umzufallen.
Hilde Artmeier: Beide Reaktionen sind natürlich menschlich. Als wir anfangs untereinander Texte ausgetauscht haben, war das auch für mich nicht immer einfach. Ich wollte vor dem Wolfgang ja nicht das Gesicht verlieren. Vertrauen ist deshalb sehr wichtig.
Wolfgang Burger: Ja, das Vertrauen darauf: Mein Partner wird mich nicht auslachen wegen dem, was ich geschrieben habe, ist natürlich entscheidend. Mit jemandem zusammen zu sein, der auch schreibt, ist auch deshalb sehr angenehm, weil dieser Mensch genau zwischen der echten Person und dem, was diese Person schreibt, zu trennen weiß.