Der Weltbürger vom Bauernhof

von Redaktion

Werner Meier gastiert mit dem Programm „nah dran“ im Mühldorfer Haberkasten

Werner Meier konnte sie alle im Haberkasten begrüßen: alte Bekannte, Kaberett-Fans, Neulinge. Trotz gefülltem Saal kannte der aus dem Landkreis stammende Urbayer einen Großteil seiner Gäste. „Nah dran“ heißt das aktuelle Bühnenprogramm, in dem Meier dem Volk aus der Seele spricht und Fremdenhass kritisiert.

Thematisch spannt Meier der Bogen weit: von der humorvollen Kritik an Digitalisierung und moderner Gesellschaft über die Verurteilung von Fremdenhass bis zu persönlichen Geschichte. Er berichtet von seiner Kindheit als Bauernsohn und von seinen Enkeln, die in Südafrika leben. Entsprechend zeigt sich Meier auch auf der Bühne mit gleich mehreren Gesichtern. Der weltoffene Künstler zieht sich immer wieder eine Trachtenjacke an, knöpft diese falsch zu, zieht seine Hose viel zu hoch und berichtet – stets in bayerischer Zungenart – über die House Warming Party der neuen Nachbarn: Gekauften Fleischsalat bringt er mit, den er geschickt unter dem Buffettisch zu entsorgen versucht, als er feststellt, dass er alle Inhaltsstoffe auflisten soll. Der Hund und die Kinder der Gastwirte jagen der Speise jedoch hinterher und reißen Tischdecke samt Essen auf den neuen Dielenboden herunter.

Von solch leichter Unterhaltung geht Meier über in ernste Themen und verurteilt Fremdenfeindlichkeit. Dabei irritiert der Kabarettist immer wieder das Publikum, mit deren Emotionen er zu spielen weiß: „Alle raus“, fordert Meier. Damit hier mehr Platz für vernünftige Leute sei. Das Publikum sitzt geschockt über diese Worte da und weiß nicht, wie es damit umgehen soll. Bis endlich die Auflösung kommt: Wer rechten Parolen folgt, solle die Balkanrute anders herum nehmen.

Meier erzählt, singt und spielt dazu Gitarre. Ein Loblied an den lokalen Italiener, der Menschen verschiedener Nationalitäten beschäftigt, folgt seinem Bericht über sein Leben als Ruganer: Einem fiktiven Ernährungstrend, bei dem lediglich Zwiebeln, Radi und Ranner (Zwiebeln, Radieschen und Roter Beete) auf dem Speiseplan stehen.

Meier lässt sich aus über Smoothies und die Abhängigkeit vom Handy: Ein Chip im Hirn hätten Kühe schließlich auch, und Alexa lasse sich auf Bayerisch umstellen und sei zudem praktischer als eine Partnerin. Trotz dieser Themenvielfalt gelingt Meier ein rundes Programm. Der Künstler stellt sich schließlich an den Ausgang, verabschiedet seine Gäste und nimmt sich noch die Zeit für einen Small Talk – er ist eben nah dran.

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