Hiss hat den Mühldorfer Haberkasten in eine Hafenkneipe verwandelt. Mit Akkordeon und Mundharmonika, Bass und Schlagzeug besangen die fünf Männer den Alkohol und berichteten vom Tod, dem Meer als ihre Geliebte sowie dem Alltag auf See. Humorvoll berichteten sie über den Wunsch, bloß nicht daheim beerdigt zu werden: lieber in eine Reisetasche packen und weit weg. Es folgen Gesundheitstipps und Berichte über den Walfang, langweilige Stunden am heißen Strand sowie betrunkene Russen. Bandleader Stefan Hiss würzte den Abend mit trockenen Witzen – mit stets ernster Miene vorgetragen.
Hiss begibt sich auf hohe See mit Bleistiftbart und buntem Ledergürtel, Nadelstreifen und roten Schuhen, aber auch langen, wallenden Haaren. Sie spielen Polka, Rumba und Salsa, gemischt mit Country sowie irischen Klängen. Gelegentlich begleitet die Kapelle ein Meeresrauschen aus dem Lautsprecher. Doch mit einer ordentlichen Brise Rock hebt die Band die Mischung von der volkstümlichen Bühne stets auf moderneres Niveau. Und selbst arabische Klänge haben die fünf Herren seegängig gemacht. Und brachten mit diesem ansteckenden Rhythmus wirklich sämtliche Zuschauerbeine zum Schwingen, Köpfe zum Nicken, Oberkörper zum Wippen. Während vor der Pause wenige aufstanden und tanzten, wagten sich später mehrere aus dem Publikum von ihren Barhockern.
Trotz aller Leichtigkeit der Texte und Volkstümlichkeit der Musik konnten die Künstler ihr Improvisationskönnen in zahlreichen Soloeinlagen voll zeigen. Besonders Michael Roth an der Mundharmonika brachte die rund 100 Besucher zum Staunen.
Sein pausenloses Solo erstreckte sich über einige Minuten. Roter Kopf und Atemnot ausgeschlossen. Seit über 20 Jahren stehen die älteren Herren aus Stuttgart nun schon auf der Bühne. Neuzugang Joscha Brettschneider senkt den Altersdurchschnitt gewaltig, und er passt dennoch gut in die Gruppe. Seine Fertigkeiten an der Gitarre durfte er gleich zu Beginn vorführen.