Mühldorf – Es ist wie eine Zeitreise: Auf einem Küchenstuhl aus Holz und einem alten Drehstuhl sitzen die drei Tölzer von den Bananafishbones vor dem Publikum im Mühldorfer Haberkasten und versetzen es um rund 20 Jahre zurück. Die Erinnerung an verrauchte Discos kommen wieder, gemischt mit einer Note Hasch; Liebespaare, die in den Ecken knutschen, neben Schlafenden, die zu viel gekifft und getrunken haben.
Rock, Trash, Trance, Pop und auch Country-Elemente verbinden die drei Tölzer an Schlagzeug, Gitarre und Bass zu einem eigenen Stil. Die durchdringend tiefe Stimme von Bandleader Sebastian Horn verleiht der Band zusätzlich ihre eigene Note. Und so rocken und trashen sie den ausverkauften Haberkasten und schließen damit ihre Unplugged-Tour 2019.
Um die Jahrtausendwende noch in silbernen Anzügen und mit entsprechenden Hüten ausgestattet, tragen sie nun lässig Jeans sowie Sneakers, und demonstrieren in verwaschenen T-Shirts gegen Atomwaffen. Bei einem Publikum zwischen 30 und 70 Jahren rocken sie, bis die Brille fast von der Nase rutscht. Und das im Sitzen, wie die Zuschauer.
Aber das passt. Es ist eher ungewohnt, wenn Bandleader Horn hin und wieder aufsteht. Zwischen den Songs erzählt er Anekdoten von seinen Kindern: Von geretteten Fischen und dem Referat, seiner Tochter über deren Lieblingsmusiker. Auch das Lieblingslied der Mutter wird benannt und gesungen, immer humorvoll in einer Geschichte verpackt.
Bemerkenswert sind die Ehrungen von Künstlern, die 2018 verstorben sind: darunter Dolores O’Riordan, Sängerin der Cranberries, und Aretha Franklin. Die Band öffnet Zeitfenster, wie Bandlieader Horn immer wieder sagt. Die drei senken „Son Of A Preacher Man“, um es in die Tiefen des durchdringenden Basses des Bandleaders zu bekommen.
Die ebenfalls im vergangenen Jahr verstorbene France Gall, Gewinnerin des Grand-Prix im Jahr 1965, ehrt Bruder Peter Horn mit einem französischen Song. Vielen Dank für die Information, dass nun französisch gesungen wird. Wohl möglich hätte nicht jeder dies erkannt. Die Band nimmt es mit Humor und verbreitet so – trotz des ernsten Themas – immens gute Laune im Saal.
Ihr Können an den Instrumenten zeigen die Musiker immer wieder in einfallsreichen Solo-Passagen: Gitarrist Peter Horn spricht in sein Instrument, drückt Marmeladengläser statt Finger auf das Griffbrett. Der ältere Rockstar auf dem Schreibtischstuhl seiner Jugendjahre wirkt ungewohnt, macht die Band aber sehr authentisch. Und auch Schlagzeuger Florian Rein verbindet seine Drums mit Elektronik und bleibt damit nicht der übliche Beat-Geber.
Hochkonzentriert jonglierte er seine Perkussion durch den Abend. Und mit „Easy Day“ in den Ohren ging es dann heim, der Kopf dröhnte noch von der hohen Lautstärke. Schade, dass die Zeiten verrauchter Discos vorbei sind.