Waldkraiburg – Das Programm „Nur mal angenommen“ von Bruno Jonas sorgte am Mittwoch für einen ausverkauften großen Saal im Haus der Kultur – und begeisterte Reaktionen sogar bei langjährigen Fans.
Altbekannt grantelig, aber auch mit ganz neuen Tönen überraschte der 66-Jährige sein Publikum. Dass er so gut Gitarre spielen und singen kann, war den wenigsten bewusst, die den urbayerischen Kabarettisten schon seit Jahren kennen und immer wieder gern kommen. Es gab viel zu lachen, natürlich, aber auch eine Menge ernste Töne zwischendurch, vielleicht lustig vorgetragen, aber durchaus mit der Absicht, zum Nachdenken anzuregen.
Das Programm begann schon mit einer interessanten Frage: Wird das Richtige falsch, wenn es der Falsche sagt? Zum Beispiel Seehofer? Kann der überhaupt noch was Richtiges sagen? Oder Gauland? Auf diesen Punkt, der auch einer von differenzierter Betrachtung, von Hinterfragen und eigener Meinung ist, kam er mehrfach zurück. Als Alexander Gauland sagte, die Leute mögen einen Boateng als Fußballer, aber sie wollen keinen Boateng als Nachbarn haben, war allen sofort klar, aus welcher Ecke das komme. Wenn er selbst denselben Satz sagen würde, würde er auf den Rassismus im ganzen Land aufmerksam machen.
Gleichzeitig kokettiert er, überzeichnet, fordert sein Publikum heraus mit seinem Spiel mit der Political Correctness. Wie viele lachen, wenn es gegen die Frauenquote geht? Wenn er den „Neger“ in Anführungszeichen setzt, um damit davon zu kommen? Wenn er Trump genüsslich durch den Kakao zieht? Wenn er mit Klischees gegen Türken, Araber oder Briten aufwartet, die man bitte als bayerische Folklore verstehen soll. „Ich mach hier nur Pointenangebote, Sie sind für Ihre Lacher selbst verantwortlich!“ grinst er denn auch, wenn verhaltenes Lachen zeigt, dass nicht jeder im Publikum sicher ist, ob Lachen gerade auch erlaubt ist. Nein, zimperlich darf man nicht sein als Grünen-Wähler im Saal oder als Angehöriger anderer Minderheiten. Aber, und das war und ist das Wichtigste bei Bruno Jonas, so viel man auch lacht über seine derben Pointen: Vieles, was er lustig rüberbringt, hat einen sehr ernsten Hintergrund, um seine Zuschauer mit dem Lockruf launigen Kabaretts in die Säle zu locken und ihnen dann etwas zum Kauen mit nach Hause zu geben, ist ein großer Verdienst.
Zum Abschluss gab es noch eine ganz besondere Überraschung für das Waldkraiburger Publikum. Aus dem Gedächtnis heraus produzierte Jonas nicht nur eine Erinnerung an einen seiner ersten Tourneeauftritte in der Bücherei in Waldkraiburg, ungefähr 1976, sondern auch den Namen der damaligen Leiterin, nachdem damalige Besucher im Publikum ihm zurückgegeben hatten, dass das in der Realschule gewesen war. An einen weiteren Auftritt in einem Kino in Waldkraiburg konnte er sich ebenfalls noch erinnern, damals noch mit dem Südostbayerischen Städtetheater ungefähr 1973 – das damalige Union Kino. Die Waldkraiburger Zuschauer freute die Nostalgie ganz besonders.