Waldkraiburg – Der kleine Saal im Haus der Kultur war am Freitagabend mit über 50 Besuchern ganz ordentlich besetzt, als der Münchner Michi Marchner sein neues Programm „Ausnahmsweise wie immer“ präsentierte. Nicht nur ein Münchner Original ist der Kabarettist, sondern auch ein bayerisches. Derbe Witze, vulgäre Sprache, viel Gefluche, aber auch eine große Musikalität brachte er mit auf die Bühne.
Mit Gitarre, E-Klavier und viel Rhythmus rotzte er seine selbstkomponierten oder gecoverten bayerischen Lieder raus und zeigte, ganz zum Schluss, dass man auch Rohren, Pömpeln und Schaufeln noch interessante Klänge entlocken kann. Seit über 30 Jahren steht er schon auf der Bühne und wollte nie etwas anderes sein als Musiker und Kabarettist. Seine Instrumente spielt er mit viel Kraft, oft dreckig und laut, das gehört zur Show. Es darf gern mitgeklatscht und gesungen werden. Damit zieht er sein Publikum hinein in seine Welt, die von der Selbstbetrachtung und Selbstironie lebt. Wenig politisch kommen seine Betrachtungen des Lebens eher persönlich und sogar philosophisch daher, wobei der seichte Witz nicht hinten runter fällt. Seine Liedtexte sind manchmal reiner Klamauk, zum Beispiel der von der Moni, die gern in der Lederhos’n den frisch geodelten Hang runterrodelt – weil es sich halt so schön reimt.
Wunderbar ehrlich und darum auch besonders einnehmend waren seine Pointen, wenn sie sich ums Älterwerden drehten oder um seinen pubertierenden Sohn: „Sie haben gesagt ‚Es ist anstrengend, aber man bekommt auch so viel zurück!‘ Ja, alles was man seinen eigenen Eltern angetan hat!“ Er sezierte sich selbst mit seinen Geschichten, produzierte Fremdschämmomente und Mitgefühl. Er erzählte von seinen Großeltern, seinem Sohn, enttäuschter Liebe und Neid auf die, die es „geschafft“ haben. So vordergründig seicht das manchmal vorgetragen wurde, es war die große Stärke seines Programms. Dass er sowohl sprachlich als auch musikalisch richtig viel drauf hat, zeigte sich in vielen seiner Liedtexte. Wenn man manchmal das Gefühl hatte, er dachte sich heimlich „reim dich oder ich fress dich“ – im Kabarett trägt das ja zur Komik bei. Mit dem ganzen Körper, mit Mimik und Gestik, mit Schweiß und Flüchen trug Michi Marchner seine Lebensbetrachtungen musikalisch vor. Ein kurzweiliger Abend.