Mühldorf – Mit einer Kombination aus orientalischen Klängen, Jazz und Weltmusik schaffte die Gruppe Nes im Mühldorfer Haberkasten eine angenehme und anspruchsvolle Bar-Atmosphäre. Der ungewöhnliche Musikstil und die seltene Kombination aus zwei Celli und Perkussion zogen die Zuhörer ins sehr gut gefüllte Konzert. Namensgeberin der Gruppe Nesrine Belmokh, kurz Nes, leitete mit kräftiger Sing- und zarter Sprechstimme durch den schönen Abend.
Die Spanierin mit algerischen Wurzeln spielt Elektro-Cello, ihre beiden Kollegen unterstützen sie ebenfalls am Cello sowie Perkussion. Der Bogen der Streicher kommt jedoch selten zum Einsatz: oftmals streifen sie mit den Fingern über alle Saiten, gleichsam Akkorde einer Gitarre. Der Schlagzeuger spielt ebenfalls nicht nur seine üblichen Drums: Er sitzt auf einer Cajon, raschelt mit einer Muschelkette und tippt Windspiele an. Dies klingt ganz anders als von den Instrumenten üblicherweise erwartet. Und auch die arabisch inspirierten Melodien entführen in eine andere Welt: In eine angenehm ruhige, fast mystische Gegend.
Bereits vor dem ersten Ton zieht Nes alle in ihren Bann und lässt das Publikum nicht mehr los. Während der Stücke hält Belmokh ihre Augen geschlossen. Sie singt wie für sich selbst, sie vergisst, dass sie Zuschauer hat. Mimik und Gesten gelten stets ihr.
Tief versunken in Text und Musik hält ihr gesamter Körper die Spannung bis nach dem letzten Ton. Die Musikerin senkt den Kopf langsam oder verharrt lange mit geschlossenen Augen. Beinahe verwundert erwacht schließlich die Künstlerin. Erkennt, dass ihr rund 300 Menschen zugehört haben. Und das Publikum wartet ab mit dem Applaus, wartet, bis die Sängerin selbst den Spannungszustand löst und ihr Geist wieder voll da ist. Ruhig, fast meditativ und doch kräftig sowie emotionsvoll singt Nes, stets begleitet von ihren beiden Musikern, die sie wie durch eine Trance führen.
Hingegen fröhlich und mit unglaublich liebevoller und zarter Stimme leitet die Sängerin auf Englisch durch die Stücke. Feinen Humor und wenige Brocken deutsch bindet sie ein. Flicht Anekdoten über ihre Kollegen, ihre Instrumente und Konzerte ein. Sie singt arabisch, französisch und englisch. Sie summt, nutzt einfach ihre Stimme für Melodie, wiederholt Textbrocken, singt Silben immer wieder, lallt manchmal bis zum letzten, nur noch gehauchten Atemzug. Und trotz der Ruhe, die die Musiker ausstrahlen, schafft das Trio es, dass das Publikum mitsingt.
So gelingt Nes im Mühldorfer Haberkasten eine Kombination aus unaufdringlicher Hintergrundmusik für einen Abend in Kneipe oder Café und einer Bühnenpräsenz, dessen Spannung sich keiner entziehen kann – und will.