Mühldorf – Dagmar Schönleber hat im Mühldorfer Haberkasten über das Alter zwischen 40 und 50 gesprochen, gelesen und gesungen. Sie sinniert über Klimakterium, Ehemänner, pubertierende Jugendliche, alternde Eltern und die schönen 1980er.
Ein Tisch, ein Stuhl, ein Aktenordner – mehr befindet sich erst einmal nicht auf der Bühne. Und dann tritt Dagmar Schönleber auf: mit leuchtend roten Haaren, hinten zusammen gebunden. Sie bringt eine Gitarre samt Ständer mit, duzt sofort alle und geht erst einmal ins Publikum. Schnell hat sie ausgemacht, wer noch nicht 30 Jahre alt ist – einen einzigen Gast hat Schönleber gefunden. Aber so passt das Publikum zum Programm des Abends „Vierzig Fieber – zwischen Dope und Doppelherz“. Es ist eines ihrer älteren Programme.
Die Künstlerin vergleicht ihre Kindheit im ländlichen Ostwestfalen mit ihrem jetzigen Wohnort Köln. Das ist jedoch nicht so einfach, denn die Landbevölkerung freut sich lediglich, wenn ein neues Traktormodell auf den Markt kommt, während sich der Kölner freut, wenn ein Bonbon auf der Straße liegt. Schönleber singt über Joga, Jakobsweg und Ausländerfeindlichkeit oder liest aus ihrem Aktenordner: Mit Nichte, Tante und Eltern besucht sie das Heimatdorf ihrer Vorfahren in Polen. Im Kleinbus sind alle unterwegs. Mit einem Technikverständnis, das ihrem Alter entspricht, erklärt sie, dass das WLAN hinter der polnischen Grenze zu Ende ist. Sie spricht über die Kinder ihres Mannes, über Falten und schlaffes Bindegewebe. Oftmals beginnt sie mit einer Phras, die sie mit einer Pointe beendet.
Die Kabarettistin springt von einem Punkt zum anderen. Doch immer hat sie ihre Zielgruppe im Blick: Menschen zwischen 40 und 50. Vor der Pause thematisiert sie ihre Jugend in den 1980ern, stets mit einer Dose Bier in der Hand und einer strengen Mutter zu Hause.
Nach der Pause widmet sich die Kabarettistin der Zukunft. Sie schlägt Hausbesetzungen mit Rollator vor, um sich gegen steigende Mieten zu wehren. Aktuell wäre schließlich nicht daran zu denken, auf eine Demonstration zu gehen: es bliebe ja eine Menge Wäsche liegen. Etwas später fordert die Künstlerin alle auf, nicht bis zur Rente durchzuackern, sondern das Leben genießen. Zuvor hatte sie noch von ihrer Sportart berichtet: Sie klaut bei Kik, rennt aus dem Laden und spart sich so das Fitnesscenter. Immer wieder wird klar, wie sehr sich das Publikum ertappt fühlt. So abrupt wie Schönleber begonnen hat, so seicht beendet sie ihr Programm. Viele Themen, viel Humor und viele Gedankensprünge haben die Zuschauer zu verarbeiten. Schließlich bedankt sich Schönleber beim Publikum, dass es gemeinsam mit ihr etwas gealtert ist.