Waldkraiburg – Nichts glüht so lange im Herzen nach, wie die erste Liebe. Nun ist bekanntlich, wenn man verliebt ist, alles schon kompliziert genug. Doch wenn sich den Liebenden gesellschaftliche Ordnungsmodelle in den Weg stellen, eine Heirat aus Gründen von Standesunterschieden schlicht untersagt wird, dann ist das bitter.
Diesem ärgerlichen Umstand fiel die Liebe von Graf Danilo zum Bauernmädel Hanna zum Opfer, ein (Liebes-) „Drama“, welches in Franz Lehárs Operette „Die lustige Witwe“ zentrales Thema ist. Das Thalia Theater aus Wien zauberte eine mitreißend-schwungvolle Inszenierung auf die Bühne des gut besuchten Hauses der Kultur.
1905 im Theater an der Wien mit dem Libretto von Victor Léon und Leo Stein uraufgeführt, war die dreiaktige „Die lustige Witwe“ Lehárs Sprung zum Weltruhm. Die Begeisterung für dieses Werk mit seinen schrägen Charakteren, seinen unvergesslichen Liedern und berauschenden Tanz- und Salonszenen hält, wie in Waldkraiburg zu erleben war, bis heute an.
Lehárs Musik kam mit Verve aus dem Orchestergraben: Unter der Leitung von Milan Kanak breiteten die Musiker dem Ensemble, das sich im aufwendig und ausgesprochen geschmackvoll gestalteten Bühnenbild bewegte, einen klangfarbenreichen Teppich aus, auf dem die Sänger im besten Sinn „weich gebettet“ waren. Das Publikum staunte nicht schlecht, als sich der Vorhang öffnete und ihm den Blick in eine andere Welt gewährte: Wie ein prunkvolles Gemälde, bei dem sich der Künstler in liebevoller Detailarbeit verlor, waren Damen und Herren in sagenhaft geschmackvollem Kostüm zu sehen. Das Bühnenbild, in dem das Ensemble singend und tanzend den ersten Akt eröffnete, wirkte wie ein Designerwerk – alles zusammen wie eine visuell-akustische Sensation, die den Zuschauer förmlich in eine andere Zeit beamte.
Im Festsaal der pontevedrinischen Gesandtschaft wird mit reichlich Champagner der Geburtstag des fernen Landesvaters gefeiert. Landsmännin Hanna Glawari, das einstige Bauernmädel, hatte den großen Wurf gelandet und einen stinkreichen pontevedrinischen Bankier geheiratet, der bereits in der Hochzeitsnacht seinen (goldenen) Löffel abgab.
Nun, ganze 500 Millionen schwer, sieht sie sich von ausländischen Mitgiftjägern belagert, die um ihre Zuneigung buhlen. „So viele Arme, nur weil ich reich bin“, scherzt sie, weil ihr die lästigen Verehrer fortwährend die galanten Arme zum möglichst engen Tanz hinstreckten.
Fürst Zeta zermartert sich sein beschränktes Hirn, wie Hannas Millionen dem Vaterland zu erhalten wären. Er zettelt einen Heiratsschwindel an. Sein Sekretär, Graf Danilo, hat zwar nicht das Arbeiten erfunden, steht aber bei der Damenwelt hoch im Kurs. Er soll das Rettungspaket schnüren und die Dame ehelichen, damit das Geld im Land bleibt.
Zu blöd nur, dass Danilo so gar nicht zieht, denn der Gute hat Prinzipien: „Verliebe dich oft, verlobe dich selten, aber heirate nie.“ Noch dazu erkennt er in der reichen Dame seine erste Liebe Hanna.
Jetzt wird’s richtig bunt, vor allem als Hanna ihre Verlobung mit einem Franzosen bekannt gibt. Eine List? Hanna liebt Danilo – immer noch und sie will ihn – heute wie damals. Und Danilo liebt Hanna, steht sich aber mit gekränktem Stolz ob ihrer überstürzten Hochzeit mit dem Bankier, selbst im Weg (und letztlich waren die sexy Grisetten im Maxime kein schlechter Trost).
Zum Schluss ein Happy End: Die Königskinder kriegen sich und während des Duetts „Lippen schweigen“ schmilzt der ganze Saal dahin. Der Schlussgesang „Ja, das Studium der Weiber ist schwer“, kommt wie eine Hymne daher, Sieg der Liebe über das Geld, über Gier und Eigennutz, denn die selbstbewusste und starke Frau setzte sich in der Männerwelt durch.
Das Publikum – begeistert, belustigt und bestens unterhalten, belohnt das brillant singende, tanzende und spielende Ensemble mit überschwänglichem Applaus.