Nacktmull, Nietzsche, trunkene Bienchen

von Redaktion

Altingers Brettlboden zieht zum wiederholten Mal viele Besucher in den Haberkasten

Mühldorf – Michael Altingers Brettlboden im restlos ausverkauften Haberkasten war ein reiner Männerabend: Auf der Bühne standen Philip Simon, Frank Sauer und Chin Meyer.

Was haben Lottozahlen in der Tagesschau zu suchen, wo sie doch höchstens für einen Menschen relevant sind und alle anderen Spieler schlechte Laune bekommen? Das war nur eine von vielen Fragen, die der jüngste Gast an diesem Abend, Philip Simon, bei seiner Sinnsuche streifte.

Sein Ziel war es, das moralische Koordinatensystem hierzulande wieder ins Lot zu bringen. Denn jeder Einzelne schimpfe zwar gerne auf „die da oben“, aber keiner wolle sich selbst aus der Komfortzone bewegen. Er schweißte die Zuschauer somit zu einer Schicksalsgemeinschaft zusammen, frei nach dem Motto: „Wir wissen, was wir ändern müssen, tun es aber nicht“. Schwere Kost, die Philip Simon mal auf schelmische, mal auf brachial sprachgewandte Art zu verpacken versuchte. Wie es um die Menschheit bestellt ist, erklärt er wie folgt: „Zwei Dinos stehen am Hang, unten schippert die Arche Noah vorbei: „War das heute?“ fragt ein Dino den anderen.

Dann zitiert er wieder Nietzsche: „Auch eine hohle Nuss will geknackt werden“, was ihn direkt zu Donald Trump führt. Entspannt, mit gekonnt gesetzten Pausen, philosophiert er über unbequeme Wahrheiten und nimmt die Zuschauer mit auf seine „philosophische Spielwiese“. Zu seinen Erkenntnissen gehört unter anderem, dass der Mensch noch gar nicht in der Lage sei mit dem technischen Fortschritt umzugehen.

Das Menschsein selbst stecke noch in den Kinderschuhen. Bestes Beispiel sei Kim Jong-un, „eine Kreuzung aus Monchhichi und Nacktmull“, wobei das ja nur Äußerlichkeiten seien. Immer wenn es zu sehr nach Moralin zu klingen drohte, haut er eben auch mal solche Bilder raus. Dabei sind es mehr die feinen Wortspiele, die gut rüberkamen, wie etwa sein Kommentar zu den Statements eines Fußballers: „Was der aus Sprache macht, überrascht sogar die Wörter selbst, die er benutzt.“

Wesentlich lockerer ging es beim Altmeister des Kabaretts, Chin Meyer, aus Berlin zu. Bei ihm ging es oberflächlich um Finanzprodukte, aber der schnöde Mammon und die Frage, ob Geld sexy macht, waren natürlich nur vordergründige Themen.

Er plauderte über neue Technologien, schmückte die Vorteile eines Smart-Husband gegenüber Smart-Home-Lösungen aus. Der sei wenigstens zu 100 Prozent biologisch abbaubar. Sein Auftritt lebt zudem von seinem Talent, sich äußerst charmant mit dem Publikum auszutauschen.

An diesem Abend gab es etwa Improvisationstheater mit Hans und Peter aus der ersten Reihe und deren Bohrmaschinen. Wenn der eine dem anderen die Bohrmaschine ausleiht, der sie verkaufe und zu einem späteren Zeitpunkt günstig wieder einkaufe und zurückgebe, sei das ein Leerverkauf.

Eröffnet wurde der Abend von Frank Sauer, der zunächst ganz harmlos ein paar Witzchen verstreute und ein Verkaufsgespräch über einen Dampfkochtopf im Schwäbischen auf die Schippe nahm, dann aber beim Thema Jugendwahnsinn richtig bissig wurde. Dabei kam er von grillwütigen Mitfünfzigern, die Schürzen mit der Aufschrift tragen „Wenn es kein Fleisch mehr gibt, esse ich eben Vegetarier“ auf die Antwort, wann man richtig alt sei: Eben dann, wenn man nicht mehr ausgehen will, weil man noch die Möbel abwohnen müsse.

Dazwischen brillierte wie immer Michael Altinger, für den allein der Fasching wieder allerlei Blüten lieferte. So etwa die Geschichte einer Hamburger Kita, die Indianerkostüme für politisch nicht korrekt hielt. Das war natürlich ausbaufähig: Afrolook und auch Biene Maja standen auf dem Prüfstand. Wenn einem als Bienchen verkleidet schlecht werden würde, könnte das ja als Affront gegen die Bauern verstanden werden und als Kritik gegen Glyphosat – dabei war es doch nur der Faschingsrausch.

Aber warum Menschen sich unbedingt empören müssen, könne er schon verstehen. Wer seine moralische Überlegenheit Ausdruck verleiht, wolle ja auch nur Bonuspunkte fürs Jenseits sammeln, um sich einen Platz auf einer Wolke mit Meerblick zu sichern.

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