Amrei
von Hofacker
Mühldorf
Alois
Gremoud
Waldkraiburg
Waldkraiburg – Die Komödie am Kurfürstendamm gastierte mit dem Klassiker „Die Glasmenangerie“ von Tennessee Williams in Waldkraiburg. Im gut gefüllten großen Saal des Hauses der Kultur entführten die vier Darsteller in eine ärmliche Wohnung ins amerikanische Saint Louis der 1930er-Jahre.
Weiße Vorhänge sind an beweglichen Balken angebracht. Davor ein alter Tisch, drei Stühle, ein heruntergekommenes Sofa. Eine Lampe steht schief, der Schirm trägt bereits einige Blessuren. Immer wieder spielt das Grammofon des Vaters. Er ist vor Jahren diesem kargen Leben entflohen. Er hinterlässt zwei – inzwischen erwachsene – Kinder und eine Ehefrau, die dem ärmlichen Leben überdrüssig geworden ist.
Anna Thalbach tyrannisiert als Amanda Wingfield schließlich ihre Kinder, berichtet von ihren Chancen bei den Männern. Thalbachs kratzige Stimme verwandelt Amanda in ein Scheusal. In ununterbrochenem Wortschwall macht sie ihre Kinder für ihr Schicksal verantwortlich und liebt sie im nächsten Augenblick wieder. Überschwänglich, nahezu unwirklich, verkörpert Thalbach die Mutterliebe. Ob echt oder geheuchelt, so deutlich wird dies nie.
Sohn und Kinofreund Tom bringt den Unterhalt heim, indem er in einem Lagerhaus arbeitet. Und Tochter Laura, gespielt von Thalmanns Tochter Nellie, sammelt Glastiere – ihre Glasmenagerie. Statt sich dem Leben zu stellen. Bis zur Pause sind die Zuschauer in das trostlose Leben eingeführt.
Regie des Stückes führte Katharina Thalbach, Mutter von Anna und Großmutter von Nellie Thalbach. Und die Rollen passen auf die Schauspieler wie maßgeschneidert. Fein ausgearbeitet verkörpert jeder Darsteller seinen Part bis ins Detail: das steife Bein der Tochter, der vom Abenteuer träumende und der Mutter untergebene Sohn sowie die selbstverliebte Amanda.
Louis Held als Tom übernimmt gleichzeitig die Rolle des Sprechers und erzählt von den geschichtlichen Ereignissen: dem Zweiten Weltkrieg und der Spanischen Revolution. Wie gerne wäre er dabei – raus aus diesem Leben im Hinterhof.
Zum einfachen Bühnenbild gesellt sich kurz vor der Pause ein Fenster. Es steht auf Rollen und gibt dem Stück ein wenig Hoffnung: Den Mond schauen alle an und wünschen sich etwas. Glück für ihre Kinder wünscht sich Amanda. Schließlich bringt Tom seinen Kollegen Jim mit, in der Erwartung der Mutter, er möge Laura heiraten. Die beweglichen Gardinen werden quergestellt – Segel andeutend – doch jeglicher Wind, jegliche Hoffnung auf Veränderung bleibt aus: Jim ist bereits verlobt. Das Fenster steht inzwischen im Hintergrund. Die Symbolik, die der Autor Tennessee Williams dem Stück angedacht hat, hat die Theatergruppe grandios umgesetzt. Stets von Musik begleitet – einem Kinofilm gleich – blieben die Zuschauer zurück in der Melancholie – trotz zahlreicher witzige Passagen.