Ob Dur, ob Moll – einfach toll

von Redaktion

Das 44. Jugendkonzert der Musikfreunde Mühldorf beglückte das Publikum

Zangberg – Das Auftreten hat er schon gelernt, das Abtreten muss er erst noch lernen: Moritz Rambold, 15, Klavier, Altötting. Der junge Mann verstand es nicht nur, den Flügel wie ein Profi zu bearbeiten, sondern auch seine jazzigen Piecen in eigener Bearbeitung einem Publikum vorzuführen, das über sein ausgereiftes Können nicht schlecht staunte.

Im Ahnensaal des Klosters St. Josef in Zangberg hatte es beim 44. Jugendkonzert des Fördervereins „Musikfreunde Mühldorf“ immerhin bereits 13 von noch zu erwartenden Darbietungen aus den Händen junger Teilnehmern hinter sich gebracht. Nicht alle, aber die meisten der sieben- bis 19-Jährigen, die sich vorwagten, um ihre musikalischen Fähigkeiten öffentlich zu zeigen, wussten, wie man`s macht, um sich angemessen zu präsentieren. Nur wenige standen, wie eben Moritz aus Altötting, etwas zu lange oder zu unsicher nach getaner Tat auf dem Podium herum, bis sie endlich abtraten. Das endlich ist keineswegs abwertend gemeint. Denn man konnte zwei geschlagene Stunden lang seine helle Freude an den völlig unterschiedlichen Auftritten der jungen Leute haben, die es – viele erstmals, manche schon gewohnt – wagten, mit Proben ihres teils schon ausgegorenen, teils gerade am Brodeln gehaltenen musikantischen Talents aufzuwarten: am Klavier, am Kontrabass, am Xylofon, am Cello, am Akkordeon oder auf der Querflöte.

Dass von 17 Teilnehmenden gut ein Drittel die Bassgeige als Instrument wählte, mag ebenso überraschen wie die Tatsache, dass die Violine völlig fehlte und nur ein einziger Vokal-Beitrag ins Programm kam, von der zwölfjährigen Isabelle Tekneyan. Ach ja: Da war noch (fast gehaucht) Gesang, der vielleicht in den hinteren Stuhlreihen des gut gefüllten Saals nur andeutungsweise vernehmbar war: von Korbinian Brustgi zu einem seiner drei kurzen Kontrabass-Stücke. Ein Blick auf die gewählten Kompositionen im von Eva Barbarino bunt gebundenen Strauß der Darbietungen zeigt ein Untergewicht der Klassik – mit der Beethoven-Sonate op. 6 (vom Klavierduo der zwei 13-Jährigen Carolin Reissl und Fanny Weishäupl) und dem Allegro molto-Satz aus dem C-Dur-Konzert Joseph Haydns von der ambitionierten Sabine Libera (19), Violoncello, kongenial begleitet von Michael Niebauer – und eine starke Vorliebe für Amerikanisches und Zeitgenössisches. Viele Komponisten dürften den Zuhörenden unbekannt gewesen sein – nun haben sie, von Sarah Clarmann von Clarenau, 15 (Flöte), und Simon Weinzierl, 13 (Klavier), mal gehört, wie Marc Berthomieu und Otar Taktakischwili klingen – fulminant!

Von allen, die beim 44. Jugendkonzert des Fördervereins auftraten, konnte man als Zuhörender lernen: vom ernsten Akkordeonspieler Dominik Lasetzky (14), der stilsicheren Cellistin Marie Weißhäupl (11) und dem Bassgeiger Johannes Braun (10), wie hohe Konzentration zum Erfolg führt; wie diesen eine vage instrumentale Flügel-Stimmung (für Jonas Klimbachers Kontrabass-Sonate) beeinträchtigen kann; wie ein Lächeln ins Publikum (etwa das des Xylofon-Bearbeiters Ives-Serafin Clocuh, 10, oder das der Pianistin Theresa Weinzierl, 12, bei ihren zwei kernigen Chatschaturjans) schon die halbe Miete bedeutet; oder wie es die Devise jedes Performers sein muss, sich irgendwie über die Klippen zu bringen, auch wenn diese noch so widrig sind (gemeint sind die Walzer für Werner Kneissl, 13, und Lorenz Kirmayer, 12).

Christine Enghofer-Reiter als Leiterin dürfte sich in ihrem am Schluss – unter dem verdient starken Beifall aus den Zuhörer-Reihen – geäußerten Urteil einer spürbar von Jahr zu Jahr wachsenden Qualitätssteigerung der Auftretenden mit den Lehrern, die vielfach am Flügel begleiteten, einig sein: Ob Dur, ob Moll – es war einfach toll!

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