Johann König
Waldkraiburg
„Mir haben die Interpretationen und Variationen von Felix Reuter gut gefallen. Es war ein außergewöhnlicher Abend, ich habe ihn mir bei Weitem nicht so lustig vorgestellt. Es ist erstaunlich, wie aus ein und demselben Stück lediglich durch andere Geschwindigkeit etwas komplett anderes werden kann.“
Heinz Schreiber
Pleiskirchen
„Klassik ist eigentlich nicht meins, aber dies hat mir gut gefallen. Felix Reuter ist ein Virtuose am Klavier. Ich habe ihm immer auf die Finger geschaut. Besonders die Übergänge zu anderen Stücken waren toll. Ich habe viel über klassische Musik erfahren. Es war nie langweilig, sondern interessant.“
Waldkraiburg – Beethoven, Frank Sinatra und Udo Jürgens haben eines gemeinsam: Sie alle haben von Bach kopiert, dem Erfinder des Jazz. Diese und weitere Erkenntnisse vermittelte Felix Reuter vergangenen Donnerstag in seinem Programm „Die verflixte Klassik“. Der Pianist führte amüsant durch die Geschichte der klassischen Musik. Der kleine Saal im Haus der Kultur war zwar schlecht besucht, aber das Publikum hat der Künstler im Nu bei sich. Immer wieder sucht er den letzten hohen Ton, um sein Stück würdig zu beenden, stupst ihn irgendwann mit der Nase an – begleitet von Lachen und Kichern der Zuschauer. Mozarts Stücke enden anders: stets mit den zwei gleichen Akkorden. Ihn stellt Reuter übrigens als Rock-‘n‘-Roll-Star dar, der nur nachts mithilfe zweier Flaschen Rotwein komponieren konnte. Lallend erklärt Reuter dann, Louis Armstrong habe ihn kopiert. Den Beweis dazu spielt er umgehend an. Ähnlichkeiten findet der Pianist übrigens auch bei Wagners Hochzeitsmelodie und „O Tannenbaum“. Und „Für Elise“ endet mit „Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei“. Von weiteren bekannten klassischen Melodien gelangt Reuter immer wieder zu Schlagern sowie Kinderliedern und wird dabei nie langweilig. Gespannt wartet das Publikum auf immer neue Wendungen und Anekdoten, lacht teilweise, bevor Reuter seine Pointe gemacht, seinen Akt zu Ende gespielt hat.
Reuter lässt sich in seiner Show vom Publikum führen. Ständig ist er im Kontakt mit seinen Zuhörern, wartet darauf, dass sie ihm bekannte Stücke zurufen. Fragt französische, russische, polnische, ungarische und tschechische Komponisten ab. Der Pianist spielt alle Stücke an und wandelt sie in andere um. Er wiegelt aber bei Konzerten ab: Es sei unmöglich, alle Instrumente am Klavier umzusetzen. Besonders die Triangel bereite ihm Probleme. Ein Witz über die komplexe Handhabung einer einfachen Triangel ist althergebracht, aber das Publikum kichert über den Scherz von Reuter, der es versteht, ihn mit viel Mimik und Gestik vorzutragen. Die Leibesfülle Brams andeutend schreitet Reuter über die Bühne. Dabei lacht der Künstler über sich selbst, fällt bei Tschaikowski fast vom Hocker, während er bei Chopin einschläft. Er spielt die Hexe Baba Jaga aus russischen Filmen der 1960er und Liszt spielt er, bis das Klavier – wortwörtlich – raucht. Schließlich endet die humorvolle Geschichtsstunde. Zum Schluss gibt Reuter noch Tipps für alle Besitzer eines Klaviers – für den Fall, dass Besuch kommt und Stücke vom Gastgeber wünscht. Immer zwei schwarze Tasten gleichzeitig: Asiatische Musik. Nur weiße Tasten in gleichbleibender Länge: walking Jazz. Zur Demonstration zeitgenössischer Musik setzt er sich aufs Klavier, zupft die Saiten im Inneren des Flügels und singt dazu „Hurz“.