Wie war‘s?

Anzügliches Treiben im großen Saal

von Redaktion

Humorvoll und verführerisch: „Carmen“ ein Vergnügen nicht nur für Opernfans

Anda Mayer

Waldkraiburg

Waldkraiburg – Humorvoll und verführerisch, so kam sie daher: Carmen, die Oper, im Waldkraiburger Haus der Kultur. Gut gefüllt war der große Saal: Während im Publikum doch noch einige Plätze frei waren, wurde es auf der Bühne mit den 22 Darstellern sehr eng. Doch jeder Sänger hat schließlich seinen Platz gefunden – zum Tanzen, Singen und Kuscheln.

Der Kommandant lässt seine Untergebenen Liegestütze und Kniebeugen machen, wirklich synchron salutieren die Soldaten nicht und das Gewehr ist auch nicht stets zur Hand. Die Akteure tanzen auf Tischen und Stühlen. Und im Hintergrund des eigentlichen Geschehens turteln und knutschen immer wieder Verliebte. Dies verleiht dem Stück immer wieder lustige Momente und lockert es auf.

Das Treiben der Pärchen, weit ausgeschnittene Kleider und anzügliche Bewegungen verdeutlichen, welche Empörung das Stück bei der Uraufführung verursacht hat. Carmen sitzt breitbeinig auf einem Stuhl und zieht, da sie gefesselt ist, ihren Rock mit den Zähnen hoch. Besonders Sofija Almanzova als Carmen versteht ihre Rolle perfekt. Aktuellen Schönheitsidealen entsprechend – für eine Hauptrolle in der Oper eher unüblich sehr schlank – verführt sie mit ihrer kecken Art besonders in den ersten beiden Akten die Männer auf der Bühne, mit Sicherheit auch Gäste im Publikum. Ihr Kleid beginnt erst knapp über den Brustwarzen und muss an der Haut festgeklebt sein. Ansonsten wäre Carmen bei Tanz und den raschen Bewegungen entblößt gewesen.

Auch die Rolle des – der Liebe ergebenen – José ist gut getroffen. Seine wirren Locken verleihen ihm den Anschein eines weltfremden Muttersöhnchens, der verblüfft feststellt, dass er nun auf die Seite der Schmuggler und Diebe geraten ist. Im dritten Akt hat Carmen ihre verführerische Kleidung sowie anzüglichen Bewegungen abgelegt und gesellt sich zu den übrigen Frauen. Damit ist auch ihr Interesse an José verflogen.

Praktischerweise steht oftmals nicht der Gesangstext an den Bühnenseiten, sondern ein zusammengefasster Text des Geschehens und des Gesangs. So erhalten Opernneulinge wichtige Informationen und können das Bühnengeschehen verfolgen. Eine individuelle Interpretation des Stücks lässt das Stück so jedoch eher weniger zu.

Das aufwendige Bühnenbild aus Torbogen, Holzwand und Eisentoren findet in drei der vier Akte Verwendung: Eingang zur Fabrik, zur Stierkampfarena und in der Schänke. Im dritten Akt, in den Bergen, kommt ein einfaches Podest mit Stufen, bedeckt von grauem Stoff, zum Einsatz. Damit passt es nicht ganz zum üblichen Aufwand, den die Bühnenbauer bei Kulisse und Requisiten betrieben haben. Insgesamt ein kurzweiliges Vergnügen zu bekannten Melodien – nicht nur für Opernfans.

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