Kathrin Seisenberger
Kraiburg
Waldkraiburg – Ein großartiger Abend zwischen Comedy und Therapiesitzung erwartete die Zuschauer beim „Caveman“ am Freitag im Haus der Kultur. Mit Witz, feiner Ironie und vollem Körpereinsatz philosophierte sich Karsten Kaie durch die seit Neandertaler-Zeiten schwierigen Beziehungen zwischen Mann und Frau.
Von seiner Frau Heike zum Nachdenken vor die Tür gesetzt, stieg Karsten Kaie in seiner One-Man-Show gleich voll ins Thema ein: „Sie hat gesagt, ich bin grob und rücksichtslos wie ein Neandertaler.“ Aber warum sehen Frauen die Männer oft auf diese Art, warum sind sie eigentlich immer die „Scheißkerle“? Liegt’s vielleicht eher an den ganz unterschiedlichen Sichtweisen?
Manches im Text kam einem natürlich schon bekannt vor – dass Männer und Frauen eben Jäger und Sammler sind und deshalb ein ganz unterschiedliches Einkaufsverhalten an den Tag legen, dass allein die Menge an gesprochenen Worten stark differiert, oder dass ein „Ich hab dich so vermisst“ unter Freundinnen dasselbe bedeutet, wie wenn ein Mann zum anderen sagt „Na, Du Sack!“. Das gab es schon in Büchern oder Filmen, aber hier wurde es so lustig und (selbst-)ironisch, so messerscharf und trotzdem nie unter der Gürtellinie präsentiert, dass das Publikum aus dem Lachen kaum herauskam. Dabei ertappte der Darsteller seine Zuschauer immer wieder, arbeitete mit ihnen, bezog sie ein, fragte und kommentierte.
Das Stück, das eigentlich von Rob Becker für den Broadway geschrieben wurde und dort sehr erfolgreich lief, wurde unter Regie von Esther Schweins im Deutschen auf die Bühne gebracht – und es hat mit seinem Darsteller einen Hauptgewinn gezogen. Karsten Kaie kann nicht nur seinen Text dahersagen, sondern spielt mit dem Publikum, zeigt ganzen Körpereinsatz, schauspielert, imitiert Frauen und lautmalert Filmmusik, dass es eine Freude ist, sich damit von ihm überraschen zu lassen.
Neben all den lustigen Anekdoten, Erkenntnissen und manchmal auch unangenehmen Wahrheiten durfte man den einen oder anderen ernsthaften Gedanken aus dem Stück aber durchaus mitnehmen. Dass Männer und Frauen eben ganz unterschiedlich denken, unterschiedliche Sprachen sprechen, eine unterschiedliche Herkunft haben – vielleicht ist das ja die Antwort auf das ganze Problem und wir müssten uns nur öfter bewusst werden, dass es so ist. Im Übrigen sagt das Stück zu keiner Zeit aus, dass es der Neandertaler besser hatte, weil er der Herr im Haus war, im Gegenteil. Männer waren Jäger, Frauen waren Sammler und jeder respektierte den anderen für das, was er tat. Und Respekt vom anderen, das wünscht sich doch jeder.