Töging – Da waren sie wieder, die rollenden Bässe und tanzenden Finger in Töging: Zum 19. Mal fand im Kulturzentrum Kantine die Boogie- Woogie-Nacht statt: ausverkauftes Haus! Und auch diesmal verstand Organisator Christian Heger eine gesunde Mischung von verschiedenen nationalen wie internationalen Interpreten mit ihren jeweiligen ganz unterschiedlichen Ausprägungen der Musikgattung auf die Bühne nach Töging zu holen.
Mitorganisator und Lokalmatador Christian Gumbiller führte ohne Umschweife in die Welt des Boogie Woogies. Nur ein, zwei vorsichtige Takte, schon legte er mit dem „Paintop Blues“ temporeich los und riss das Publikum mit. Denn auch wenn dieser erste Titel vom Namen her einen Blues vermuten lässt, so ist diese Stück stilistisch ein Boogie Woogie mit den typischen Elementen: die rollenden Bässe der linken Hand und den bluesorientierten Off-Beat-Figuren der rechten Hand, mit Trillern und Tremoli.
Diese Besonderheit verleiht dieser Musikrichtung vor allem eines – Tempo. Neben Klassikern wie Albert Ammons „Boogie Woogie Stomp“, hat Gumbiller auch Eigenkompositionen im Gepäck wie „Song for my kids“, das mit dezenteren Tönen in der Bass-Linie ein ganz klein wenig die Fahrt vermindert, bevor er wieder ordentlich anzieht. Leichthändig ließ er die Finger über die Tastatur wandern, setzte mit den unterschiedlichen Tempi Akzente und kam nicht nur seines schwarzen Sakkos wegen ordentlich ins Schwitzen.
Mit breitem Grinsen stellte sich Martin Schmitt als Pianist vor, er sei nicht der Skispringer. Humorvoll, witzig, ja schon mehr Comedy und Kabarett, was der gebürtige Münchner lieferte stellte alles Bisherige in den Schatten. Dabei berichtete er auf Bayerisch über die Streitkultur seiner Großeltern, lobte die Ösis für ihren Humor, den er wiederum bei den Ossis vermisse. Dabei leitete er fast unmerklich in den musikalischen Teil seiner Show über und verwischte damit die Grenzen zwischen Kabarett und Konzert und ließ mit seinen bayerischen Texten kein Auge im Publikum trocken. So nahm er bei „Schmittisch Airways“ die Anweisungen der Flugbegleiter aufs Korn und ließ in „Des gehd ned guat“ zu einer Midlifcrises-Hymne das Publikum mitsingen. Dabei trat sein meisterhaftes Können am Piano fast in den Hintergrund. Schmitt hüpfte zwischen den Musikgenren hin und her und brachte seine kabarettistische Ader sogar in seinen musikalischen Interpretationen zum Ausdruck, in dem er immer wieder taktweise Songs mischte und die Töne fröhlich hüpfen ließ. Mit dem „Boogie- Woogie-Jump“ kam er schließlich doch noch zu den Wurzeln des Boogie Woogie, bevor er mit einer sächsischen Version von „Sex Bomb“ den Saal zum Kochen brachte.
Die Boogiekathi, Katharina Alber, kommt aus Innsbruck und hat sich erst vor sechs Jahren für den Boogie Woogie entschieden. Allerdings fing sie nicht von null an, sondern ist durch ihren Großvater, den Jazz-Pianisten Artur Rogger, schon als Kind mit dem Klavierspielen aufgewachsen. Gleich mit dem ersten Titel „Let´s fetz“, einer Eigenkomposition, zeigte Kathi wo sie sich verankert: Kraftvoll, voller Emotionen und mit sehr viel Schwung das Publikum begeistern zu wollen. Das gelang ihr auch auf Anhieb mit abwechslungsreichen Interpretationen und Eigenkompositionen. So ist „Emils Blues“, den sie ihrem Kater gewidmet hat, der gerne mal über die Tastatur spazieren geht, ein eher schleppendes Stück, während sie bei „Meet´s Boogie“ mit reichlich Tempo kontrastreich und voller Begeisterung beide Füße mit den champagnergoldenen Schuhen zeitgleich wie ein Flummie im Takt mittanzen ließ.
Ganz in das Piano versunken, eröffnete Tommy Weiss seine Runde mit einem Stück, das er „19. Töginger-Boogie-Woogie-Nacht-Blues“ nannte. Er legte die Betonungen deutlich in den oberen Tönen an. Mal nach hinten gelehnt, mal nach vorne über die Tasten gebeugt, wechselte er nicht nur zwischen leicht dahin schmelzenden Melodien und schnellem Boogie Woogie, sondern verknüpfte eindrucksvoll verschiedene musikalische Themen zu virtuosen Eigenkompositionen. Mit seiner spannungsgeladenen Reise zwischen Blues, Boogie Woogie, Jazz und Harlem Stride Piano riss er das Publikum mit.
Den Abschluss machten alle Musiker zusammen, in dem sie erst abwechselnd und schließlich alle gleichzeitig den Flügel auf der Bühne malträtierten und noch einmal zeigten, was Boogie Woogie eigentlich ist: Die reine Lebensfreude.