Fast zu cool für Mühldorf

von Redaktion

„San2“ und das Publikum im Haberkasten müssen erst miteinander warm werden

Mühldorf – „San2 and his Soul Patrol“ brauchten eine ganze Weile, bis sie auf Betriebstemperatur kamen. Den Musikern war anzumerken, dass sie andere Menschenmassen gewohnt sind. Und auch die 200 Gäste im Haberkasten wussten das und nahmen die Kommentare über das fantastische Publikum nicht ganz ernst.

Ohne Ansage schlendern also kurz nach 20 Uhr vier Musiker auf die Bühne. Ob sie zum Aufbauteam gehören, ist zunächst nicht klar. Etwas hilflos greifen sie zu ihren Instrumenten und fangen dann halt mal an. Klänge vom Synthesizer der 1980er erklingen, muten nach Soundtrack eines Actionfilms an. Es ist, als würden die Gäste die Musiker im Proberaum beobachten. Und das klingt gut, außerirdisch irgendwie. Und wie von einer anderen Welt ist der ganze Abend.

Durchgestylt von den Haar- bis zu den Schuhspitzen kommt schließlich San2 auf die Bühne. Ringe an den Fingern, ein ordentlich getrimmter Hipsterbart, jede Bewegung einstudiert. Feiern will er sich lassen, doch das gelingt vorerst nicht im kleinen Haberkasten.

Aber San2 ist Profi genug, sich davon nicht ablenken zu lassen. Vorbild seiner Tänze wird Michael Jackson gewesen sein: Die Beinarbeit erinnert oft an den Moonwalk und auch die Bewegung der Schultern und Hüfte lassen den King of Pop erahnen. Bassist, Gitarrist und Schlagzeuger zeigen, dass in anderen Teilen des Universums Schnurrbart angesagt ist.

Mit einer Mischung aus englischer und deutscher Moderation zückt der Bandleader schließlich seine Bluesharp und geht damit durchs Publikum. Er spielt für einzelne Besucher, nun bricht der Bann. Unplugged, authentisch ist San2, nicht mehr so unnahbar. Allmählich werden sich Gäste und Musiker sympathisch. Es ist eben eher ein Privatkonzert als eine große Open-Air-Bühne. Zu Blues- und Jazz-Klängen gesellen sich Boogie und Honky Tonk und demonstrieren die große Vielfalt der Band. Ungewöhnlich für eine Band: Der Schlagzeuger singt – nicht nur im Background. Und er bringt Selbstkomponiertes mit. Schließlich steht der Beatgeber auf grünen Socken mit Blumenmuster zwischen Sänger und Gitarrist im Vordergrund und stampft zum Rhythmus. Spaß haben die Jungs dabei.

Die Musiker spielen nicht immer in voller Besetzung und so verlässt immer einmal ein Künstler die Bühne. Das irritiert zunächst. Doch bei diesem Konzert ohne die übliche Haberkasten-Pause sei es den Musikern gegönnt. Mit Applaus – dem zurückhaltenden, jedoch inzwischen begeisterten Publikum entsprechend – belohnen die Besucher besonders die Übergänge einzelner Stücke von einem zum anderen Beat.

Und immer mehr Gäste stehen auf und tanzen. Am Ende des Konzerts stehen alle. San2 hat das Mühldorfer Publikum schließlich doch noch in seine Welt entführt.

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