Beim Urvater der Technikfreaks

von Redaktion

In Altöttings Stadtgalerie sind da Vincis Erfindungen interaktiv nachvollziehbar

Altötting – Ob Glühlampe oder Rakete, Automobil oder Mähdrescher, der Telegraf oder die hydraulische Bremse – fast jede technische Errungenschaft geht auf das Universalgenie Leonardo da Vinci (1452 bis 1519) zurück, der seiner Zeit weit voraus war. Die schönste Hommage auf den Urvater der Technikfreaks lieferte der Surrealist Salvador Dali 1975, prominenter Nacheiferer des bedeutendsten Renaissance-Künstlers und einer seiner glühendsten Verehrer.

Beide verbindet die Malerei. In ihr haben sie’s, jeder auf seine Art, zur Weltmeisterschaft gebracht. Was sie unterscheidet, ist die Priorität von Realität und Phantasie. Obschon Leonardo mit der „Mona Lisa“ (heute im Louvre) das berühmteste Frauenbildnis aller Zeiten schuf, ging es dem Tüftler aus Vinci weniger um die Imagination als um die beharrlich der Natur abgeschauten Wirklichkeit.

Einen guten Eindruck davon erhält der Stadtgalerie-Besucher in ihrer aktuellen, von Dr. Katharina Hantschmann munter angestoßenen Ausstellung. Darin trifft er auf gut 20 Holzobjekte, die der rumänische Kunstschreiner Ludovic Antal getreu nach einigen von Leonardos 7200 hinterlassenen Zeichnungen fertigte. Viele sind erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts entdeckt und ausgewertet worden. Schön, dass die Leihgeberin Ildiko Kühn nicht nur die wichtigsten von Antals „Maschinen“ mit Kopien und Beschreibungen der Zeichnungen zeigt, sondern auch – beim Rundgang wird man sie finden – die heute in der Werbung vielfach verwendete Skizze Leonardos vom „vitruvianischen Menschen“: eine Verbeugung des Multitalents Leonardo vor einem seiner „Vorfahren“, dem antiken Ingenieur und Architekten Vitruv.

Was die in Kooperation mit dem Kontakt-Verlag, Hallstatt bei Bamberg entstandene Ausstellung „Leonardo da Vinci – Maschinen … nach seinen Zeichnungen zum Leben erweckt“ so bemerkenswert macht: Sie ist die einzige in Bayern, die eigens zum 500. Todestag des großen Allrounders (2. Mai) installiert wurde. Was sie so attraktiv macht: Nahezu alle Objekte sind interaktiv zu erleben. Sie lassen sich mobilisieren, ausprobieren, funktional überprüfen. Ein ideales Angebot für MINT-Schulkinder, aber auch für jedes Kind im Manne. Was nicht heißt, dass Frauen in der Schau nichts zu suchen hätten. Auch wenn sie nur staunend vor der riesigen Luftschraube stehen mögen, delektieren sie sich mit Sicherheit auch an Bildern wie dem aus dem Zyklus der 12 Paraphrasen Salvador Dalis zu den Skizzenbüchern, die schmunzelnd Leonardo als Naturforscher feiern.

Aus dem Rahmenprogramm der bis 23. Juni Mittwoch bis Samstag von 14 bis 17 Uhr sowie Sonn- und Feiertag von 11 bis 16 Uhr geöffneten Schau: Führungen mit Kunsthistoriker Dr. Stefan Schmitt, Kinder-Kunst-Aktionen mit Glasbläser Sigi Franz sowie das Angebot am 2. Mai, Leonardos 500. Todestag – geöffnet 14 bis 18 Uhr, freier Eintritt, Verlosung und Kinder-Kunst-Aktion mit Sigi Franz.

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