Sei dabei, sei du selbst, tanz mit!

von Redaktion

Jamaram präsentiert im Haberkasten viel Neues aus „To The Moon And The Sun“

Mühldorf – „Alle Leute gehen ab und ticken aus“: Diese Zeile aus dem Song „Oh my Gosh!“ beschreibt Jamaram passgenau. Die Band steht nicht nur für ein unverwechselbares Soundgemisch, sondern für ein Lebensgefühl.

„In The Name of Peace, Love and Good Music“ – treffender hätte Frontmann Tom Lugo die Gäste im Haberkasten nicht begrüßen können. Und so klang er dann auch, der satte, sonnige und strahlende Sound, der das Publikum von Anfang an in Bewegung brachte. Jamaram sind nicht nur für Reggae-Fans ein Highlight im regionalen Kulturkalender. Auch wer einfach nur extrem gut performende Liveacts zu schätzen weiß, ist bei dieser Band bestens aufgehoben.

Die Stimmung im Haberkasten ließ schon vor dem Konzert keinen Zweifel daran, dass die meisten Gäste ohnehin wussten, was sie erwartete. Die Band, die seit 20 Jahren tourt, hat sich im Laufe der Zeit mit ihren Auftritten auch hier in der Region ein festes Publikum erspielt. Kein Song steht so für das, was viele mit der Band verbinden: La Famille. Der Titel ist absolut ernst gemeint – die Musiker transportieren ein Gefühl von angekommen sein und von Gemeinschaft: sei dabei, sei du selbst, tanz mit, geh ab – alles gut. Bei Liedern wie „Easy Live“ konnte sich kaum einer der sonnigen Gemütslage, die die Band auch nach all den Jahren überzeugend ausstrahlt, entziehen. Wäre der Begriff Restless-Legs nicht bereits mit der Krankheit negativ besetzt, würde der Begriff sehr treffend den Jamaram-Effekt beschreiben. Mit ihren zum Teil ausgebeulten Hosen, dem Moustache von Frontmann Tom Lugo, seinem Hütchen und den farbenfrohen Hemden wirkt die neunköpfige Band wie eine pure Einladung zur Party.

Das ist vermutlich auch der Grund, warum die Band keine Anlaufzeit braucht, keine Aufwärmphase. Alle bewegten sich zum smoothen Sound der Band. Als kurzer Voract trat dieses Jahr der spanische Sänger Jah Chango auf, dessen Mix aus Latin, Reggae und Cumbia aber ganz hervorragend zum lässigen Jamaram Sound passte.

Zwischen bekannten Songs hatte die Band viel Neues aus ihrem brandaktuellen Album „To The Moon And The Sun“ eingestreut, mit dem sie stilistisch zu ihren Wurzeln zurückkehren – Roots Reggae, Ska, aber auch Dub-Sound. An dem Konzert konnte man sehr schön das breite Spektrum an Genres miterleben, das sie in all den Jahren gestreift haben: Balkan-Beat, Hip-Hop, Rock und auch songorientierte Titel wie „Look Out The Window“.

Am Freitagabend gab es gelungene Reggae-Pop Mischungen, angefangen von „Lonley In The Night“, das von einem älteren Album stammt, über den tiefenentspannten, ohrwurmverdächtigen neuen Titelsong „Outside“ bis zum klassischen Reggae „Spread Some Love“.

Mit den neuen Songs gab es neben viel Off-Beat auch spacige Effekte, allen voran in „New Shoes“ oder „Babylon“. Die Musiker sind zudem Weltenbummler, die sich in zahlreichen Projekten sozial engagieren und auch in ihren Texten Themen wie Flucht und Kapitalismuskritik behandeln. Allen voran stellen sie die Frage: „Was braucht Mensch, um glücklich zu sein?“ So auch in dem Titel „Rise“, der zudem eine gelungene Überraschung bereithielt: Die stimmgewaltige Schwester von Frontmann Tom Lugo, Sarah Lugo, ebenfalls Sängerin, gab einen Gastauftritt.

Während die Band vor allem mit ihren neuen Songs musikalisch verstärkt auf den Reggae-Sound setzt, hat sich auch die Fangemeinde weiterentwickelt. Die Musik lockte an diesem Abend generationsübergreifend so ziemlich jede Altersklasse an: junge und jung gebliebene Hippies, Hippster und Anzugträger, viele Jugendliche und auch einige Kinder tobten sich im Haberkasten aus. Nach drei Stunden wurde die Band, die den Abend mit einem Bad in der Menge abschloss, unter großem Applaus verabschiedet.

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