Tüßling – Der Mann ist eine Institution der deutschen Schlagermusik. Roland Kaiser steht seit 45 Jahren auf der Bühne und hat 28 Studioalben produziert. Statt es ruhiger angehen zu lassen, liefert der 66-Jährige neue Songs und tourt durch die Lande. Im vergangenen Jahr war er in Rosenheim, am 25. Juli tritt er im Tüßlinger Schlosspark auf.
Ihre Alben sind eine Zeitreise durch die Schlagergeschichte: Gibt es Zeiten, die anders waren?
Damals in den Anfängen haben sich die Künstler rund um Dieter Thomas Heck häufiger persönlich getroffen. Man war enger miteinander verbunden. Heute ist das Miteinander etwas abgeklärter geworden – wie in jedem normalen Unternehmen.
Sie sind 67-mal in der ZDF Hitparade aufgetreten – so oft wie kein anderer Künstler: Ist da Nostalgie im Spiel?
Jede Zeit hat ihre Formate, ihre Filme und ihre Helden. Die Sendung wurde im Jahr 2000 abgesetzt, weil sie einfach nicht mehr dem Zeitgeist entsprochen hat.
Heute sind deutsche Schlager wieder angesagt, quer durch alle Altersgruppen.
Wir müssen erst einmal klären, was ein Schlager überhaupt ist. Im Grunde ist das ja nichts anderes als ein erfolgreiches Lied, ein Gassenhauer – ob von den Toten Hosen oder von mir. Ich mache einfach die Musik, die mir Spaß macht und das ist für mich deutsche Popularmusik. Ich erlebe auf meinen Konzerten immer mehr junge Leute, die zur deutschen Sprache ein sehr unverkrampftes Verhältnis haben.
„Sieben Fässer Wein“, „Amore Mio“, „Schach Matt“, „Santa Maria“: Sie haben zahlreiche Top-Ten-Hits. Sind die Lieder noch im Programm?
Ich singe alle Hits, oft neu verpackt, auf meinen Konzerten – bis auf „Sieben Fässer Wein“. Dieser Song ist musikalisch nicht in mein aktuelles Programm zu integrieren.
Der Titelsong aus dem neuen Album „Alles oder Dich“ klingt wie der Auftakt zu einem James Bond Film – was steckt dahinter?
Das ist Absicht gewesen. Der Song wurde mir angeboten und mir hat diese Anmutung an eine Titelmelodie von James Bond gefallen. Ich bin ein großer James Bond Fan.
Haben Sie einen Lieblings-Bond-Darsteller?
Für mich ist der typischste aller Bond-Darsteller Roger Moore, weil er für den spleenigen englischen Gentleman mit viel Selbstironie steht. Aber es gibt auch den Ur-Bond Sean Connery, den härtesten Bond Daniel Craig und den schönsten Bond Pierce Brosnan – da kann sich jeder seinen Bond aussuchen.
In dem Titel „Niemand“ singen Sie ein Duett mit Barbara Schöneberger – wie kam es zu dazu?
Der Song ist einfach ein sehr schräger Titel und genau deshalb passt er ganz wunderbar zu Barbara. Ich habe sie gefragt, sie hat sich den Titel angehört und zugesagt.
Sie haben unter anderem in Dresden auf einer großen Kundgebung für Toleranz und Dialog gesprochen. Wie wichtig ist es Ihnen, politisch Stellung zu beziehen?
Da ich eine Stimme habe, die auch gehört wird, halte ich es für richtig, mich einzumischen, wann immer es notwendig ist. Das gilt unabhängig davon, welche Konsequenzen sich daraus ergeben.
Sie haben eine schwere Lungenkrankheit überstanden. Ändert sich danach der Blick auf das Leben?
Davon können Sie ausgehen. Man setzt andere Prioritäten. Es gibt Dinge, die früher wichtig waren, aber ihre Bedeutung verlieren. Heute bin ich in der komfortablen Situation, dass ich sagen kann „ich kann, aber ich muss nicht mehr“. Und das ist eine höchst entspannte Einstellung, die das Leben angenehmer und schöner macht.
Gibt es neben der Musik Hobbys, die Sie pflegen?
Ja – Fliegen. Ich habe seit 1993 einen Pilotenschein und auch ein eigenes kleines Sportflugzeug.
Wie wichtig ist für Ihren Erfolg die Familie?
Ein intaktes Privatleben macht ein erfolgreiches Berufsleben oft erst möglich. Ich denke, das gilt für jeden Beruf. Ohne Familie und Freunde können sie das sonst gar nicht so lange durchhalten.
Sie haben drei erwachsene Kinder: Wie stehen die zu Ihrer Musik?
Wenn ich ein neues Album produziere, hören sie sich die Lieder an und geben ihre Kommentare ab. Aber dann hören sie wieder ihre eigene Musik und das ist auch völlig in Ordnung so.