Waldkraiburg – Die Geschichte vom Blumenmädchen, das einen gesellschaftlichen Aufstieg erfährt, war gleich geblieben. Neu war die Adaption an die bayerische Sprache, mit der das Freie Landestheater Bayern aus Miesbach „My Fair Lady“ jetzt im Haus der Kultur aufführte.
Beschwingt eröffnete das Orchester des Freien Landestheaters das Musical. Mitten im Marktplatz der Covent Garden Opera in London begann es. Dort trafen der eingefleischte Junggeselle Professor Higgins (Harald Wurmsdobler), das bayrisch schimpfende Blumenmädchen Eliza Doolittle (Martina Mühlpointner) und Philanthrop Oberst Pickering (Markus Eberhard) aufeinander. Dramaturgische Einfälle ernteten Lacher. Zum Beispiel ein Schauspieler, der ein Lenkrad in der Hand hielt und das herbeieilende Taxi darstellte.
Immer wieder gerne gehört waren die bekannten Melodien des Musicals. „Wunderschee“ sang Eliza in Bayerisch, als sie in Professor Higgins Haus aufgenommen wurde, um Sprachunterricht zu erhalten. „Mit nem kleen Stückchen Glück“ tönte ihr Vater (Matthias Degen) im Berliner Dialekt. Er spielte die beste Nebenrolle. Nach langer, harter Arbeit und vielen derben Beleidigungen von Professor Higgins schaffte Eliza die Aussprache von „es greant so grean, wenn Spaniens Bleami blean“ in Hochdeutsch. Allerdings erst, nachdem Professor Higgins, statt abfällig mit ihr zu reden, motivierend auf sie einsprach. Die Musik ging auf, und Eliza und Professor Higgins tanzten glücklich. Mit schönem Sopran und viel Gefühl sang Eliza: „Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen.“ Besonders unterhaltsam waren auch die beiden Herren Professor Higgins und Oberst Pickering als Gespann.
Sehr gelungen auch die Kostüme in der Szene in Ascot beim Pferderennen, wo das ganze Ensemble in Weiß erschien. Beim Diplomatenball tanzten die Damen in Kleidern im Empirestil in duftigen Pastellfarben, die Herren im Frack. Leicht, lebenslustig und zum Lachen war das Musical im ausverkauften Haus der Kultur. Gesang, Tanz und Schauspiel kamen gleichermaßen gut an. Das Publikum war begeistert und spendete großen Applaus und Bravo-Rufe.