Tarara und Jubilate

von Redaktion

Das Katholische Kreisbildungswerk präsentierte in Pürten ein festliches Kirchenkonzert

Ein österliches Kirchenkonzert in einer Marienkirche wie der von Pürten mit mehreren Marienbildern ohne einen Gruß an die Mutter des Auferstandenen: undenkbar. Josef Überacker, in der Begrüßung als die Seele der zur Tradition werdenden „Festmusiken zur Osterzeit“ bezeichnet, wählte mal ein „Ave Maria“, das nicht aus Bekanntheitsgründen so nebenbei wahrgenommen wird, sondern dem schon deshalb Aufmerksamkeit geschenkt wird, weil es von Luigi Cherubini ist. Der mit 82 Jahren in Paris gestorbene Florentiner, den schon Beethoven als großen Dramatiker der Musik feierte und der heutzutage in dem Dirigenten Riccardo Muti einen unbeirrbaren Anwalt hat, schloss seine lange Vornamen-Reihe mit „Maria“ ab.

Die Sopranistin des erfreulich stark besuchten 70-Minuten-Konzerts am Weißen Sonntag dürfte zu den (wenigen) Cherubini-Fans zählen. Die Glut, die Katharina Wittmann in den kurzen Hymnus legte, ließ darauf schließen. Auch wenn sie die Schluss-Triller der Orgel überließ: Cherubini hätte an der feinen Interpretation nicht weniger Gefallen gefunden wie das Pürtener Publikum, das sich gottlob den Applaus zum Konzertschluss aufsparte. Es erlebte eine Sängerin voller Gewandtheit, Kraft und Schönheit des musikalischen Ausdrucks – von Händel über Haydn bis zu Mozarts „Halleluja“ aus der „Exultate Jubilate“-Motette. Dass Wittmann Bühnenerfahrung hat, kam dieser sakral ausgerichteten Veranstaltung zugute: Flott schlüpfte die junge Frau von einer Ebene (Orgelempore) zur anderen (Apsis) und zurück, ohne außer Atem zu geraten. Den anzuhalten, überließ sie der Zuhörerschaft schon bei der klug gesetzten Sopran-Arie aus der „Schöpfung“ und dem reizenden „Benedictus“ aus der Orgelsolomesse Joseph Haydns.

Katharina Wittmanns Vita weist sie nicht nur als Virtuosin der Stimmbänder, sondern auch als Könnerin an der Gitarre aus. Solo oder im Zusammenspiel mit dem versierten, auch vokal aktiven Akkordeonisten Tobias Gründl brach sie charmant und stilsicher eine Lanze für Gitarre und Akkordeon als legitime Instrumente geistlicher und etwa so folkloristischer Stücke wie „La Tarara“.

Gründls Alleingang mit Adam Volpis „Preludio“ füllte den Kirchenraum nicht weniger gut, als es ein ganzes Orchester vermocht hätte.

An der Orgel – nie sicht-, aber durchgehend hörbar: Josef Überacker. Auch sein Instrument, an dem er, wie es scheint, selbst als Pensionist noch einmal mehr seine Freude gefunden hat, erschöpft sich nicht in der Begleiter-Rolle, sondern fungiert solistisch: wendig und geschmackvoll registriert, legte er zwischen der kompakten Eingangs-„Toccata“ von Bach und dem „Prélude“ op. 18 von César Franck die drei Flötenuhr-stückerl. Mozarts Klavier-Sonatenklängen gewann Überacker, brillant und versiert, in keiner Phrase oberflächlich, die darin liegende Leichtigkeit und fröhliche Stimmung gekonnt ab. Eine Freude, diesem Organisten mit dem Organisationstalent für eine sich in Pürten etablierende „Festmusik“-Reihe dankend und anerkennend die Hand zu reichen.

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