Bebop, Songs und heißer Walzer

von Redaktion

Musikfest Nachtstücke Saxofonist Hugo Siegmeth und Lautenist Axel Wolf präsentieren sich als Duo der Sonderklasse

Zangberg – Überragend sind beide: der Saxofonist Hugo Siegmeth und Axel Wolf, der Lautenist, der auch des Theorbespiels mächtig ist. Der Körpergröße nach überragt Siegmeth seinen Partner um nicht ganz einen Kopf. Beide freuten sich, im „wunderbaren“ Ahnensaal des Klosters Zangberg – für Hugo Siegmeth beinahe ein Heimspiel – auftreten und Michael Frohnmeyers „Nachtstücken“ ihre ganz eigene Note wie selbstverständlich aufdrücken zu können, die da mit „Flow“ überschrieben war. Jazz prallte auf Renaissance, ohne beiden Musikgattungen Gewalt anzutun. Im Gegenteil: Hier handelte es sich um ein geglücktes und beglückendes Aufeinandertreffen zweier (ohnehin auch nicht ganz „astreiner“) Stile.

Berührungsbefürchtungen: zwecklos. Waren auch, so schien es, vom enthusiasmierten Publikum gar nicht gehegt. Die Mixtur von Bebop, Songs und heißem Walzer gelang den beiden Anzugträgern im schaffensfrohen mittleren Alter auf erfrischend zwanglose Art. Europäische Mischung mit Anleihen aus dem Land eines Antonio Carlos Jobim oder Charles Mingus ebenso wie aus Epochen, die mit der eines Cipriano de Rore oder Claudio Monteverdi noch nicht einmal den Eckpunkt bildeten. Der nämlich war mit einem mittelalterlichen Komponisten – wie mochte dieser (den meisten im Saal wohl unbekannte) Guillaume de Machaut, der von 1330 bis 1377 lebte, wohl sein „Cinc, un, treze“ notiert haben? – und keineswegs, wie vermutet werden konnte, von den Hochbarocken wie Castaldi oder Händel repräsentiert.

John Dowlands „Second Book of Songs and Aires“, London, 1600, hat es dem Duo angetan – beide Teile ihres 14 Stücke umfassenden Programms ließen sie mit melancholischen Songs des großen Briten angehen. „Flow my tears“ sollte freilich nicht als Aufforderung an das Publikum verstanden werden, auch wenn Tränen und dunkles Ahnen vielfach den Grundton bildeten und beide Musiker einander die Bälle des leichten Spiels – ob mimisch oder musikalisch – immer wieder zuwarfen.

So stilsicher sie musizierten, so frei ließen sie es laufen, so improvisierend und elektrisierend schufen sie immer wieder Tops und Stopps. „So oder auch ganz anders herum“ – mit einem derart offenen, entkrampften Spiel hielten die vielfach ausgezeichneten Meister Siegmeth und Wolf die auf unterhaltsame Weise auch manchmal „backstage“ geführte Zuhörerschaft bei Laune, riefen sie Bravos hervor, wechselten sie gelassen ihre Instrumente, änderten sie Harmonien ab, brachten sie neue Farben zum Vorschein und erklärten sie so manche Verrücktheit als Normalität. Entspannung pur.

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