Mühldorf – Eine sanfte und im nächsten Moment eine kratzige Stimme, betonte Mimik und Gestik sowie immer wieder einmal Flamenco-Schritte – das sind Las Migas. Am vergangenen Dienstag traten die vier Spanierinnen mit Gitarre, Geige und Gesang auf. In Mühldorf startete das Quartett mit ihrem ersten Konzert ihrer Tour durch Mitteleuropa. Das Publikum im voll besetzten Haberkasten war begeistert, auch wenn es sich mühsam zum Mitklatschen bewegen ließ.
„Singt, klatscht, weint. Wir machen heute Party“ leiten die vier den Abend ein. Auf Englisch führen die Spanierinnen durch das Konzert, mit wenigen Brocken Deutsch erheitern sie das Publikum. Die Musikerinnen wirken schüchtern in ihrer Moderation und unerfahren bei den Aufforderungen zum Mitsingen: Mit dem zurückhaltenden Engagement des deutschen Publikums haben die vier Frauen wohl nicht gerechnet. Das macht die Künstlerinnen jedoch sympathisch. Zudem sind auch die ungewohnten spanischen Texte komplex und schwer zu behalten – auch wenn er lediglich von dem Erschlagen von Fliegen handelt.
Die Musik gelangt hingegen sehr selbstbewusst und professionell in den Zuschauerraum. Die Musiker spielen in Spanien bekannte Lieder sowie eigene Kompositionen. Und auch lateinamerikanische Rhythmen wie Rumba erklingen. Besonders die junge Sängerin Bego Salazar dominiert durch starke Gestik und markant raue Stimme.
Diese weiß sie temperamentvoll, aber auch sanft einzusetzen. Ungewöhnliche Klänge entlockt auch Roser Loscos immer einmal wieder ihrer Geige: Blubbern mit Nachhall entlockt sie der Violine. Ansonsten ist sie für die ruhigen Passagen zuständig. Die vier Künstlerinnen stammen aus Katalonien und Andalusien mit Salamanca und Sevilla. Ihr Name „Las Migas“ bedeutet „Krümel“ und bezeichnet ein traditionelles spanisches Gericht aus Brotkrumen. Besonders nach der Pause zeigen die vier Brotbrösel, wie gut sie aufeinander abgestimmt sind. Immer wieder kommunizieren sie während der Stücke, lachen und es wird deutlich, wie viel Freude ihnen ihre Musik macht. Der Wechsel zwischen leiser Atmosphäre und temperamentvollen Einheiten bereitete ein kurzweiliges Konzert, dem jeder noch stundenlang hätte zuhören können.