Mühldorf – Dicht am Publikum ist der Backnanger Singer-Songwriter Gregor Meyle auf der Bühne. Und da steht er schon von klein auf. Mit „Hätt auch anders kommen können“ ist sein sechstes Album auf dem Markt, mit dem geht Gregor Meyle auf Tour. In den Mühldorfer Haberkasten kommt er mit Band am Donnerstag, 4. Juli, um 19.30 Uhr zum Sommerfestival.
Ihr aktuelles Album trägt den Titel „Hätt auch anders kommen können“. Wie denn?
Ich möchte damit sagen, dass ich dankbar bin für das, was passiert ist. Seit elf Jahren darf ich Musiker sein und kann davon eine Familie ernähren, bin viel unterwegs und lerne tolle Menschen kennen. Das hätte eben auch anders kommen können.
Sie sind groß geworden mit Musik. Und das mit Mauskostüm und Guns n’ Roses. Wie geht das denn zusammen?
Da gibt’s ein Haus in Montreux, wo das berühmte Jazz-Festival ist. Dort habe ich meine Kindheit verbracht. Wir haben Menschen aus der ganzen Welt getroffen. Und dann gab es natürlich noch die Musik. In ganz vielen Räumen stand ein Klavier. Eine meiner ersten Erinnerungen war das Klatschen der Leute, denen ich etwas vorgesungen habe. Mit acht oder neun begann ich, Songs zu schreiben, zunächst auf Englisch, weil das eben die Musik war, die ich gehört habe. Daher das Bild „zwischen Maus- kostüm und Guns n’ Roses“.
Welchen Stellenwert haben denn Plattformen wie „Sing meinen Song“ für Ihre künstlerische Arbeit?
Das ist einfach immer noch ein wahnsinnig tolles Format, bei dem man auf dem Sofa sitzt und zuhört – und dabei überrascht wird von der Leidenschaft, die andere Künstler zeigen, welche Emotionen sie in deine Songs stecken. Ich bin ganz stolz, dass ich als „Underdog“ mitmachen durfte. Man kann den ganzen Tag da mit anderen Künstlern „rumhängen“; wir haben zusammen gekocht. Manchmal war auch eine Kamera dabei. Es war eine Art Containerleben – aber ohne Container. Für mich war „Sing meinen Song“ ein richtiger Karrierestart. Abgesehen davon: Es ist das eine, seine Songs zu schreiben, aber wenn andere Künstler auch etwas damit verbinden können, dann ist das etwas ganz Besonderes.
Heute helfen Sie jungen Songwritern.
Für mich ist das total spannend, wenn da jemand mit einer Idee kommt und wir zusammen kreativ werden. Aber ganz ehrlich: So ein Popsong bedeutet jetzt nicht, das Rad neu zu erfinden. Das Wichtigste ist, dass es ehrlich ist und dass es eine Musik ist, die am besten schon beim Schreiben Gänsehaut erzeugt. In letzter Zeit kam es schon häufiger vor, dass Leute auf mich mit Songprojekten zukamen. Das ist eigentlich das tollste Kompliment.
Wo holen Sie sonst Ihre Inspirationen her?
Eigentlich ist es das klassische Leben, das so nebenher passiert. Genau wie John Lennon es gesagt hat: Das Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, ganz andere Pläne zu machen. Menschen kommen in dein Leben, Menschen gehen aus deinem Leben. Man stellt immer intensiver fest, was wichtig für einen ist im Leben, was einem guttut. Darüber kann man Jahrhunderte lang noch Songs schreiben. Vor zwei Jahren ist unsere Tochter zur Welt gekommen und letztes Jahr ist meine Mutter von uns gegangen. Das sind Dinge, die das Leben so schreibt und die mich inspirieren. Und ich habe Glück, weil es den Leuten gefällt.
Sie sagen, Ihr neues Album sei das beste bisher.
Ich sag‘ ja immer bei jedem Album, es ist das Beste, weil es in dem Moment auch tatsächlich so ist. Das muss man sich so vorstellen, dass es eine Evolution von sich selbst und von der Musik, die man machen wollte, ist. Und dann bis du total euphorisch, wenn du das geschafft hast. Und das zweite große Glück, das ich habe, ist, dass wir als Band genau das machen können, was wir wollen. Da gibt es überhaupt keine Grenzen. Wenn ich manchmal gefragt werde, welche Musik ich mache, dann kann ich das gar nicht beantworten. Weil für mich Musik wie Essen aus der ganzen Welt ist oder wie Sprachen. Was auf der Bühne passiert, ist noch mal was ganz anderes. Und dann geht ein Song auf die Reise. Denn jeder im Publikum versteht den Song anders, münzt ihn auf sein eigenes Leben um. Dann passiert ein riesiger Energieaustausch.
Und was steht als Nächstes für Sie auf Ihrer Agenda?
Das größte Highlight unseres Lebens ist gerade unsere zweijährige Tochter. Die nimmt viel Raum ein. Das ist mir sehr wichtig. Abgesehen davon mache ich derzeit beim WDR eine Radiosendung, wo ich meine Musik spielen kann, Gäste einlade und teilweise auch live Songs vortrage. Jetzt ist erst einmal unsere kleine Maus das Wichtigste. Wochenlang unterwegs zu sein und sie nicht zu sehen, das bringe ich momentan nur schwer übers Herz, wenn ich ehrlich bin. Interview: Nicole Petzi