Mühldorf – Selten waren sich Musiker und Publikum so einig. Die sieben kubanischen Musiker betraten die Bühne, kamen gleich zur Sache: Hände hoch, mitmachen, klatschen. Der Haberkasten war in weiser Voraussicht nur teilbestuhlt. Tänzer und sonstige Freunde kubanischer Rhythmen standen schon parat. Kein Warmwerden, kein Hallo. Gänzlich unangestrengt waren alle auf und vor der Bühne sofort bei der Sache beziehungsweise beim Son Cubano, einer Verschmelzung von afro-kubanischen Trommelrhythmen und spanischer Gitarrenmusik.
Die Formation Conexion Cubana steht für einen authentischen San Cubano, wobei sie das klassische Instrumentenrepertoire erweitert haben: Schlaginstrumente wie Timbales, Congas, Güiro, eine Art Flaschenkürbis, auf dem geratscht wird, kommen ebenso zum Einsatz wie Bläser, Bass und Piano. Manche Stücke klingen gar wie Filmmusik aus einem 50er-Jahre Klassiker. Ein Abend, der sich anfühlte wie in einer Tanzbar in Havanna, nur eben im Haberkasten.
Von null auf hundert verströmten die sieben Musiker das Lebensgefühl des Son – Sonne, Club, Hitze und einer gewissen Leichtigkeit. Alt und Jung schwangen die Hüften, darunter eine Salsagruppe aus Eggenfelden, die gekonnt zu den Rhythmen tanzte. Andere deuten den Hüftschwung nur an. Und so war der ganze Saal mehr oder weniger von vorne bis hinten zur Bar irgendwie in Bewegung.
Neben mitreißenden und temperamentvollen Titeln streuten die Musiker ab und an vom Son Bolero angehauchte Stücke ein: langsame, seelenvolle Titel, die die Liebe feiern, und bei denen Säger William Borrego Rodriguez schmachtende Blicke in die Runde warf. Aber man muss das Genre nicht verklären. Die Band hatte auch handfeste und bodenständige Titel im Angebot, unter anderem eine Art kubanischer Wiesensong „Una Cerveza, por favor“ (ein Bier, bitte). Der kubanische Gassenhauer war natürlich zum Mitsingen. Imposant waren zudem die Soli des Pianisten Heber Alberto Mendez und des Trompeters Lázaro Dilout.
Allen voran heizte Säger William Borrego Rodriguez, gerne mit der Posaune in der Hand, das Publikum an. Sein Auftritt in Lackschuhen, leicht aufgeknüpftem Hemd und Goldkettchen wirkte filmreif, ebenso seine Moves beim Cha Cha Cha, Mambo und Salsa. Die ganze Performance wirkte trotzdem weder kitschig noch schnulzig. Im Gegenteil: Die ein oder andere Besucherin ging beherzt ohne sich groß bitten lassen auf die Bühne: Küsschen hier, Küsschen da. Dann wurde eine Runde getanzt und weiter ging es.
Auch wenn die Musiker Titel ihres neuen Albums vorstellten, setzten sie geschickt auch Stücke mit Wiedererkennungseffekt ein. Darunter „Chan Chan“, mit dem sie die Musiker der legendären Altherrenband „Buena Vista Social Club“ huldigten. Die Begeisterung der Musiker für ihren Son und die kubanische Tanzkultur schwappte auf jeden Fall über und beruhte auf Gegenseitigkeit. Der bereits etwas ältere Bandchef Nicolás Sirgado betonte immer wieder: „We love Muueldof“ und man war durchaus geneigt, es ihm abzunehmen. Dreimal ließen sich die Herren unter „Hossa“-Rufen wieder auf die Bühne klatschen, unter anderem um „Guantanamera“ zu spielen. Dann war die kubanische Nacht vorbei.