Chiemsee – Den 100. Geburtstag der „Grande Dame vom Chiemsee“, der Bildhauerin Marianne Lüdicke, feiert Gailer Fine Art Chiemsee mit einer umfangreichen Ausstellung in der Torhalle zu Frauenchiemsee.
In einem kleinen Zimmer hatte die Künstlerin, die 1919 in Frankfurt geboren wurde, nach Ende des Zweiten Weltkriegs in Weisham bei Bernau eine Unterkunft gefunden. Für die junge Frau war es dort „das reinste Mittelalter“, da es weder elektrisches Licht, fließendes Wasser oder eine Heizung gab. Doch ihr gefiel „das einfache, archaische Leben“ am Chiemsee. Die Nachfrage nach künstlerischen Werken war in dieser Zeit freilich gering, doch gab sie deswegen ihre Passion nicht auf. Konsequent arbeitete sie weiter, nahm Anregungen aus ihrer Umgebung auf und entwickelte eine unverwechselbare Formensprache.
„Für mich ist Schönheit, Harmonie, Freude, Frieden so wichtig im Leben, dass sich das bei der Gestaltung meiner Plastiken ganz selbstverständlich niederschlägt. Alles Zerstören liegt mir fern. Ich will auch keine Mission erfüllen. Ich will auch nichts verschlüsseln und kompliziert machen. Ich glaube nicht, dass es sinnvoll ist, überall das Negative zu suchen und darzustellen. Nicht als ob es davon nicht genug gäbe in der Welt. Aber um das Gleichgewicht im Leben zu behalten, suche ich lieber das Lebenswerte. Das Menschliche, die Freude an den kleinen und großen Dingen, an den vielfältigen Beziehungen der Menschen untereinander und miteinander“, offenbart die Künstlerin.
Eine pathetische Ideologie, die sich hinter den Werken verbirgt, gibt es im Schaffen Marianne Lüdickes nicht. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht der Mensch. Doch nicht in detailgetreuer Wiedergabe, sondern in einer organisch-dynamischen Abstraktion, die die Plastiken zum Gestus einer Innerlichkeit, zum Spiegel zwischenmenschlicher Gefühle formen. Es ist der ehrliche Blick einer Künstlerin auf die Menschen in ihrer unmittelbaren Umgebung, der bescheiden und doch unverschleiert seine Darstellung findet.