Vögel, ein Unhold und keine Elefanten

von Redaktion

Tiroler Festspiele Erl beginnen und bieten ein vielfältiges Programm

Erl – Die Tiroler Festspiele beginnen morgen, Donnersta, Erl-typisch untypisch: Mit Musik von Béla Bartók. Tito Ceccherini, der Dirigenten-Spezialist für moderne Musik, garantiert für Funkensprühen beim „Konzert für Orchester“ von Bartók, dazu gibt’s, als Auftragsarbeit der Tiroler Festspiele, das Konzert für Saxofonquartett von Daniel Schnyder. Und so geht es weiter – Erl bietet Vielfältiges und viele junge Musiker und Regisseurinnen.

„Caliban“ – eine Kammeroper

„Guillaume Tell“, die „Grand Opéra“ von Rossini, zeugt von der schon jahrelang gepflegten Rossini-Kultur in Erl: Sie wird am 13. Juli um 18 Uhr gespielt, Dirigent ist Michael Güttler. Verdis „Aida“ (Dirigent: Audrey Saint-Gil) ist am 6., 12. und 19. Juli um 18 Uhr zu sehen. Elefanten wird man vergeblich suchen, dafür wird die Regisseurin Daniela Kerck eine sehr fein gezeichnete Seelenlandschaft dreier Individuen zeichnen.

Tina Lanik inszeniert „Die Vögel“ von Walter Braunfels, einem leider vergessenen Komponisten des frühen 20. Jahrhunderts, dessen Musik zwischen Berlioz, Wagner und Puccini farbenreich schillert. Lothar Zagrosek, der diese Oper als erster auf Platte aufgenommen hatte, dirigiert. „Die Vögel“ flattern und zwitschern am 20. und 27. Juli um 19 Uhr.

Als österreichische Erstaufführung kommt am Freitag, 5. Juli, um 19 Uhr „Caliban“ von Moritz Eggert auf die Bühne, eine „Kammeroper für drei Sänger, einen Sprecher und elf Instrumentalisten“, die Shakespeares berühmten Unhold aus dem „Sturm“ zum Protagonisten hat, den unterjochten und versklavten Ureinwohner der Insel, über die Prospero, der kultivierte und geistige Zauberer, herrscht. Caliban wird mit dem seltenen Instrument der Kontrabassflöte charakterisiert. Während er die Sprache der Zivilisation lernt, wird bald klar, dass er den Spieß umdrehen wird und vom Unterdrückten zum Unterdrücker wird – ein hochaktuelles Thema. Diese spannende Produktion ist ein Gastspiel der Jungen Oper Rhein-Main.

Die Camerata Salzburg kommt mit zwei Konzerten und zwei Dirigenten nach Erl: Am 7. Juli mit der „Italienischen Symphonie“ von Felix Mendelssohn Bartholdy unter der Leitung des zurzeit hochgefeierten jungen Patrick Hahn und am 14. Juli mit Musik von Mozart, Schubert und einer Uraufführung von Herbert Willi: „Dscha Bi Schim“ für Oboe und Streichorchester. Dirigent und Solist ist Hansjörg Schellenberger.

Sehr reichhaltig sind die Kammerkonzerte: „Alm-Trieb: ein Triptychon“ präsentiert an drei Abenden (8., 15. und 22. Juli) zeitgenössische Musik, die die Wanderung des Viehs im Jahreslauf charakterisiert. „Aus.Reisser&Heim.Kehrer“ ist der Titel eines Abends mit Musik des Tiroler Komponisten und Jazzers Werner Pirchner am 11. Juli um 20 Uhr, „Gap“ heißt der Abend am 25. Juli um 20 Uhr mit der Ein-Frauen-Band von Mela Maria Spaemann, die komponiert, singt und Cello und mit der Loop-Station spielt: Piazolla-Cellosolo-Transskriptionen und eine Komposition, die von Cassados „Prélude“ über eine arabische Melodie bis zum hebräischen Liedgut reicht.

„Kakaukasus“ ist der Titel eines Abends mit Stimmbändern, Tasten, Klappern und Saiten des Quartetts „Mischwerk“: Jodler mischen sich mit Balkan-Swing und Csardas, Kaukasus und Kakanien vergnüglich vereint. Und „Franzensfeste“ heißt der Abend am 21. Juli mit der Südtiroler Musicbanda „Franui“ und den „Strottern“: eine Huldigung an „unseren Franz“, an Franz Schubert. Da weiß man nicht, wann der Schubert anfängt und die Volksmusik aufhört – und umgekehrt.

Eine überraschende „Mélodie“

Und nicht zuletzt kommt zwischen Quartett-Abenden und Piano-Recitals wieder einmal die Schweizer Pianistin Mélodie Zhao, Erls Publikumsliebling: Sie bringt ein zwölfköpfiges Instrumental-Ensemble mit und präsentiert am 10. Juli von ihr neu arrangierte Klassiker und Eigenkompositionen mit ihrem Projekt „The Wanderers“: Schubert, Bruckner, Bernstein und Zhao – eine Überraschung.

Rainer W. Janka

Mehr Infos

Genauere Informationen über die Veranstaltungen, Termine und Konzertbeginne gibt es unter www.tiroler-festspiele.at. Karten bestellen kann man unter Telefon 0043/5373/81000-20 oder online unter karten@tiroler-festspiele.at.

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