Mühldorf – Es war also kein One-Night-Stand vor drei Jahren. Gregor Meyle ist wieder gekommen, in den Haberkasten-Innenhof. Und dann auch gleich zur Eröffnung des Sommerfestivals in einem Ambiente, das man durchaus als Wohnzimmer des Baden-Württembergers bezeichnen kann. Denn in dieser Atmosphäre kehrt der 40-Jährige auch dieses Mal wieder sein Innerstes nach außen, gibt sich ziemlich intim, wenn er Geschichten erzählt, die sein Leben prägen.
Und das tut er in bester Laune. Er unterhält, indem er die Geschichten erzählt, wie sie ihm gerade in den Sinn kommen. Er feixt mit seinem Schlagzeuger Massimo Buonanno ob dessen vermeintlicher italienischer Herkunft (obwohl er eigentlich Schweizer ist), parodiert den Scorseses Paten oder seinen Schlapphutkollegen Udo Lindenberg und unterhält damit weit über zwei Stunden lang das Publikum.
Das ist diesmal leider nur spärlich erschienen. Gerade mal die Hälfte des Innenhofes war voll – der guten Laune Meyles und seiner Band tut dies aber keinen Abbruch. Er präsentiert musikalisch alles, was man sich nach Feierabend an einem lauen Sommerabend wünscht, quer durch alle Stilrichtungen. Da etwas Latin, dort eine Portion Brasil, dann wieder Folk. Mal temporeich, mal gediegen, er gibt sich temperamentvoll und auch nachdenklich – aber stets musikalisch brillant. Das liegt daran, dass Meyle seit jeher mit den Musikern vom VOX-Projekt „Sing meinen Song“ tourt. Allesamt Meister ihres Fachs. Ob die beeindruckende Stimme von Laura Bellon, die gerne auch zur Violine greift, wenn sie sich mit dem unfassbar virtuosen Christoph Herzberger misst. Absolut eingespielt der Bläsersatz mit Christoph Moschberger (Trompete, Flügelhorn), Johannes Goltz (Posaune) und Axel Müller, der nicht nur Tenor-Saxofon und Bariton-Saxofon aus dem Eff-Eff beherrscht, sondern auch mit einem Prototypen einer vertikalen Querflöte die Blicke auf sich zieht. Für die Gitarrensoli ist Markus Vollmer zuständig, der damit nicht nur der Band sein Gepräge gibt, sondern auch das Vorprogramm als Einheizer gestaltet hat.
„Eine fette, geile Band, die echte Musik macht. Jeder Ton ist live eingespielt, nichts kommt vom Computer“, verspricht Meyle. Geschichtenerzähler Meyle obliegt es, zum Klangcocktail seiner Musiker mit seiner sympathischen Art die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen. Absolut authentisch wirkt er, wenn er über eine mehrwöchige Liebesbeziehung redet, „bis ich gemerkt habe, dass ich nur eine Affäre war“. Er nimmt’s locker, indem er „Frei mit Dir“ musikalisch gesehen mit einem Ausflug ins schottische Hochland verknüpft. „Ich glaub, das nennt man Glück“ überzeugt er die Gäste am Sommerfestival, dass es oft die einfachen Dinge sind, die glücklich machen – auch wenn er das Lied in Zusammenhang mit seiner Hochzeitsreise auf die Cook-Islands verknüpft. Absolut persönlich wird es, wenn er balladenartig von der Geburt seiner Tochter schwärmt, die natürlich „Das Schönste auf der Welt“ ist, einer der Lieder seines aktuellsten Albums „Hätt‘ auch anders kommen können“. Er liefert „Meylensteine“ mit „Heute Nacht“, kokettiert dabei mit dem Neun-Uhr-Läuten der Nikolaus-Kirche. Und er lässt die Frauenherzen dahinschmelzen, wenn er so herrlich „Keine ist wie Du“ in herrlicher Meyle-Manier durchs Mikrofon nuschelt. „Pessimisten“ lässt er mit dem gleichnamigen Song an diesem Abend keine Chance – dafür sorgt dann auch seine Brass-Section, die effektvoll mit Neon-Sticks bewaffnet synchron auf mehreren Snare-Drums hämmert.
Es ist der Facettenreichtum seiner Songs, die das Publikum von Anfang an mit auf die zweistündige Reise nimmt. Es klatscht, singt, wiegt die Arme im Takt, geht sogar auf Ansage Meyles in die Hocke, um dann komplett auszuflippen. Zur Belohnung dürfen die 500 am Ende Meyle hautnah erleben. Wie schon vor drei Jahren sucht er bei der Zugabe das Bad in der Menge, unplugged geben Meyle und Co. ihren Fans einen besonderen Wunsch mit auf den Heimweg: „Finde Dein Glück!“