Mühldorf – Endlich Sommer. Laue Abende mit romantischen Sonnenuntergängen, Grillen, Party mit Freunden: „Hoch die Hände, Wochenende“, dachten sich die zahlreichen, vorwiegend jungen Gäste, die sich zum Start ins Wochenende bei Kaiserwetter zum Sommerfestival-Konzert von „Das Lumpenpack“ versammelt hatten.
Da musste das bekannte und preisgekrönte Stuttgarter Musik-Comedy-Duo, bestehend aus Max Kennel und Jonas Meyer nicht lange am Stimmungsbarometer schrauben. Taten sie aber dennoch, ohne viel Aufwand, dafür aber umso größerer Wirkung. Denn irgendwie tragen die beiden eine Art „Gute-Laune-Gen“ in sich. Und das verteilen sie großzügig in der Menge von Feier- und Tanzwilligen – zusammen mit buntem Konfetti-Regen, der akzentuiert und passend zur Pointe ihrer eigenen Liedtexte in die Luft fliegt und langsam auf den Bühnenboden niederrieselt. Wie gut, dass die beiden aus der Poetry-Slam-Szene stammen. Dessen geschuldet, war texten genauso wenig ein Problem, wie die Findung aktueller, die Gemüter erheiternder Themen, die sie im Geiste des Singer-Songwriting in wirklich gelungene und performte Hits verpackten. Offenbar kannten viele der Konzertbesucher einige der Titel und grölten die Refrains aus voller Kehle mit. Erfreulicherweise gibt es derer viele – seit 2012 veröffentlichte das extrem sympathische Duo bereits vier CDs.
In ihren komödiantischen Liedern verarbeiten sie die Ernüchterung im Alter von Ende Zwanzig, also die Zeit nach der großen Party-Phase des Lebens, bis hinein in die „Adoleszenz“ mit drohender Gefahr, selbst Kinder zu bekommen und sich einem geregelten Arbeitsalltag unterwerfen zu müssen. Mit ihrem Lumpenpack-Format scheinen die beiden aber eine elegante Lösung gefunden zu haben, Arbeit und Vergnügen unter einen (Party-) Hut zu bringen.
Das Mühldorfer Publikum fühlte sich bestens mit Songs aus unterschiedlichen Themenbereichen unterhalten: In „Pädagogen“ stellt sich das Duo enttäuscht die Frage, wieso es im Freundeskreis so viele abgehobene Besserwisser gibt. Ohne Zögern würden sie drei Lehrer gegen einen Monteur tauschen. „Silvester“ fokussiert die Problematik selten eingehaltener „guter Vorsätze“, „Eva P.“ beschreibt das Schreckensszenario, aus Versehen die Tochter von AfD-Politikerin Frauke Petry zu daten – „hübscher Apfel, brauner Stamm“. Außerdem geht es um die Wahl der Kleider des männlichen Geschlechts, wie missverständlich Aufkleber auf Autos sein können und wie fatal eine Urlaubsfahrt im Ford Fiesta enden kann.
Bei der letzten Zugabe hieß es, im inzwischen wenig beleuchteten Innenhof, Hände mit leuchtenden Handy-Displays hoch, mitschunkeln und hinein ins Restwochenende. Riesenapplaus dem grandiosen Lumpenpack.