Haberkasten und Elbphilharmonie

von Redaktion

Interview Quadro Nuevo kommen mit fliegendem Teppich zum Sommerfestival

Mühldorf – Quadro Nuevo zaubert am Freitagabend 1000 und eine Nacht in den Mühldorfer Haberkasten. Bandmitglied Mulo Francel erklärt im Interview mit der Heimatzeitung, welche Kraft grenzenloser Weltmusik innewohnt.

Wissen Sie eigentlich immer, wo Sie gerade sind, wenn Sie morgens aufwachen?

Nein, nicht immer. Manchmal muss man sich tatsächlich erst einmal orientieren. Aber ich bin gern unterwegs. In Italien gibt es einen guten Kaffee, in Mecklenburg-Vorpommern ist die Natur schön grün. Man muss es einfach positiv sehen und neugierig auf die Welt sein. Außerdem sind wir nie allein, sondern als Band unterwegs.

Sie wurden schon als kleiner Junge mit dem Virus Weltmusik infiziert. Und das in einem beschaulichen Dorf in Oberbayern. Wie kam das?

Mein Vater ist früh gestorben und hat mir eine Jazz-Plattensammlung hinterlassen. Und da saß ich nun in diesem Voralpendorf in Riedering und habe mich für meinen Vater interessiert. Dabei holte ich mir eine Platte nach der anderen in mein Kinderzimmer – amerikanischer Jazz der 1960er-1970er-Jahre. Das war ganz etwas Exotisches damals – für Bayern. Mein Interesse war geweckt. Mit 16 bin ich dann durch Italien gereist und schnappte italienische Musik, damals war es Pino Daniele, auf. Und so ging es weiter. Als Band machen wir das genauso. Zuletzt waren wir zum Beispiel in Hongkong und haben uns ein Konzert mit traditionellen chinesischen Instrumenten angehört. Das ist wirklich interessant. Wir fahren mit offenen Ohren durch die Welt.

Im Haberkasten nehmen Sie die Menschen sogar mit auf einem fliegenden Teppich. Wie passen Bayern und Bagdad zusammen?

Das hat sich vor vier Jahren entwickelt und ist eine Zusammenarbeit zwischen Musikern aus Deutschland, aus Ägypten und aus dem Irak, genauer gesagt Bagdad. Kennengelernt haben wir uns zufällig bei einem Konzert in Frankfurt. Und es hat so Spaß gemacht auf der Bühne, dass wir uns gesagt haben, dass wir „herzeigen“ möchten, dass Musik wie ein fliegender Teppich ist, der uns hinwegträgt über die verschiedenen Kulturen, Religionen und politischen Ansichten. Wenn man sich auf musikalischer Ebene treffen kann, dann ist das doch ein schönes Beispiel dafür, dass es unter den Menschen doch eigentlich funktioniert.

Quadro Nuevo reklamieren für sich eine ganz eigene Tonpoesie – eine universelle Sprache. Ist die Musik für Sie der bessere Mittler zwischen den Kulturen als das Wort?

Natürlich kannst du mit Musik nicht alles regeln. Es gibt ja in unserer Welt auch technische oder logistische Probleme. Aber die Musik kann Nahrung für die Seele bieten, kann ein Lächeln auf die Gesichter zaubern. Wir waren gestern in Italien auf einem Akkordeon-Festival, wo Menschen aus Österreich, Moldawien, Frankreich, Italien und Australien waren. Und wenn die nach einem Konzert noch auf der Straße stehen und sich eine Stunde lang unterhalten, sieht man, welche Kraft Musik hat. Mit Worten kann dieser Zauber vielleicht sogar intellektuell „verbaut“ werden.

Das hört sich ja fast wie eine Therapie an.

Ich glaube, dass Musik oder Kunst und Kultur im Allgemeinen für die Menschen sehr wichtig sind. Wenn eine Gesellschaft ihr kulturelles Leben nicht mehr pflegt, dann ist sie bereits dem Untergang geweiht. Und damit meine ich jetzt nicht unbedingt die Lederhosen.

Wirkt Musik jeweils anders, je nachdem, ob sie in einem Konzertsaal oder auf der Straße vorgetragen wird?

Unbedingt! Im Konzertsaal können die Menschen nicht weglaufen. Sie haben dafür 25 oder 30 Euro gezahlt. Sie sitzen da und wollen etwas geboten bekommen. Dabei lassen sie sich von den Musikern in eine Art von Traum entführen, der zweieinhalb Stunden dauert. Auf der Straße ist es spannend zu sehen, wer denn überhaupt stehen bleibt, wer sich zehn Minuten oder eine halbe Stunde Zeit nimmt, um seinen vollgepackten Alltag mal zu unterbrechen. Aber auch der Spirit einer Bühne hat auch Auswirkungen auf den Konzertabend: Ob du das in einer neuen Stadthalle, die noch kein Leben erfahren hat, oder auf einer Open-Air-Bühne unter einem Lindenbaum spielst, ist schon ein Unterschied.

Haben Sie persönlich Präferenzen?

Also nehmen wir zum Beispiel den Habenkasten: Das ist ein schöner Ort. Es klingt gut. Und es sind alte Gemäuer, was für mich persönlich immer besonders inspirierend ist. Aber wir halten uns da an wenig Regeln. Wir haben auch schon in der Elbphilharmonie gespielt. Und die ist erst vor fünf Jahren fertiggestellt worden. Veranstalter machen sich mehr oder weniger Gedanken, wie sie einen Konzertort gestalten. Je mehr Leidenschaft und Ideen darin stecken, desto interessanter wird der Auftritt.

Was erwartet die Besucher?

Wir haben versucht, mit „Flying Carpet“ ein Programm zu machen, bei dem beide Ensembles auf Augenhöhe agieren. Es kommen Lieder von den Cairo Steps als auch Lieder von uns zu Gehör. Insgesamt sind die Lieder orientalisch und mit einem gewissen Fernweh behaftet. Eben: „Fliegender-Teppich-Melodien“. Aber auch das Album haben wir auf Augenhöhe gemacht, teils in Deutschland, teils in Ägypten. Wir haben einen Grafiker aus Ägypten genommen, Toningenieure aus Deutschland. Es geht uns dabei nicht nur um einen „Exotik-Faktor“. Es geht um die Begegnung von Künstlern.

Quadro Nuevo treten am Freitag, 12. Juli, um 19.30 Uhr im Haberkasten-Innenhof auf. Karten gibt es im Kulturbüro Mühldorf unter 08631/612612 oder an der Abendkasse.

INTERVIEW: Nicole Petzi.

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