Grenzenlos kreativ

von Redaktion

Wortakrobat Willy Astor begeistert im Kultursommer vor ausverkauftem Haus – Fredl Fesl mit viel Applaus begrüßt

Mühldorf – So unkonventionell wie er denkt und dichtet, so unkonventionell ist sein Auftritt: Er springt auf eine Lautsprecherbox vor der Bühne, begrüßt das Publikum und steigt dann erst auf die Bühne. Willy Astor hat mit seiner Wortakrobatik, seinem Humor, aber auch mit anderen Darbietungen, für die man ihn eher weniger kennt, im Rahmen des Mühldorfer Sommerfestivals einen wunderbaren und erfrischenden Abend gestaltet.

„Mühldorf ist meine absolute Lieblingsstadt in Deutschland“, sagt er und hat damit das Publikum schon mit dem ersten Satz gewonnen. Vermutlich erklärt er das in jeder Stadt bei jedem Auftritt – aber es funktioniert. Und dann trägt er sein extra für die Innstadt geschriebenes Lied vor: „Mühldorf, du bist so wie du bist“ – der Titel entspricht dabei dem gesamten Text.

Willy Astor geht auf sein Publikum ein. Er steigt von der Bühne, plaudert locker mit Zuschauern in der ersten Reihe, und als einige Besucher leicht verspätet zur Vorstellung kommen, meint er: „Jetzt kommen die VIPs mit der Seidenbluse – was war los? Die anderen haben’s auch pünktlich geschafft!“ Jeder nimmt’s mit Humor.

Als eine Besucherin etwas spät über einen seiner Gags lacht, macht er eine kleine Pause, gibt ihr Zeit, sagt. „Die kommt sonst in einer Viertelstunde mit dem Lachen nicht mehr hinterher“, schiebt er als Spontan-Gag ein.

Der Silbenfischer, wie er sich selbst bezeichnet, setzt Dinge in ungewohnte Zusammenhänge, spielt in seinen Gedichten und Liedern mit der phonetischen Ähnlichkeit von Worten. Und so wird beispielsweise aus einem Stromausfall der Strohmaus-Fall eines Kommissars – der Fall einer toten Maus im Stroh.

Genial ist Astors Musiknummer über das „Pubertier“, der viele Besucher ganz offensichtlich aus Erlebnissen mit dem eigenen Nachwuchs zustimmen, oder auch sein schnell vorgetragener, ellenlanger Text, bei dem der Inhalt in den Hintergrund tritt, bei dem aber jedes Wort mit A beginnt – eine einzigartige Alliteration. Und dann erzählt der Künstler von seiner Urlaubsreise auf die Spirituosen, die wohl eher eine Schnapsidee war und so weiter, und so weiter.

Den zweiten Teil seines Programms beginnt Willy Astor mit einer Ehrerweisung. Er begrüßt unter den Besuchern einen großartigen Humoristen, ein Riesen-Idol, einen „Glücksverbreiter seit meiner Kindheit“, dem er tiefe Bewunderung entgegenbringt: Fredl Fesl.

Und das Publikum begrüßt Fesl ebenfalls – mit sehr langem Applaus. Und dann startet Astor ein Experiment mit dem Publikum, nimmt die Besucher mit auf einen Ausflug in seine Art zu denken. Er liest eine Geschichte vor und an manchen Stellen müssen die Zuschauer die Geschichte ergänzen – mit dem Zuruf von Vornamen. Manchmal gelingts’s, oft aber auch nicht, trotzdem dass der Künstler mit deutlichen Gesten auf die Sprünge hilft – Astors Kreativität ist tiefgründig.

Ohne Zugabe wird er an diesem Abend natürlich nicht entlassen – und er spielt nochmals 30 Minuten. Und jetzt zeigt er auch seine andere Seite, macht die Besucher nachdenklich, aber nie ohne einen Schuss Humor.

Astor beweist als Gitarrist seine Vielseitigkeit, zeigt sich instrumental ebenso einfallsreich und kreativ wie mit Worten und bringt mit „Nautilus“ eine Komposition, mit der er die Zuhörer in die Tiefen des Meeres entführt. Zu seinen Abschiedsstücken gehört auch die wunderschöne Ballade „Einfach sein“: „Augen zu haben fürs Abendrot und gute Freunde in der Not, ja das klingt einfach, ist aber wahr, einfach unbezahlbar.“ Auch das ist Willy Astor. Zum Abschied bedankt er sich beim Publikum mit einem großen Herz, das er mit seinen Händen in die Luft zeichnet.

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