Die Suche nach dem Paradies

von Redaktion

Herbert Pixner Projekt beendet mit einem umjubelten Auftritt das Sommerfestival

Mühldorf – Herbert Pixner Projekt, der für melodramatische Alpenromantik ohne Kitsch steht, dafür mit viel Humor, bestritt das letzte Abendkonzert des Mühldorfer Sommerfestivals.

Ein Sonnenaufgang im Hochgebirge, der Flair einer lauwarmen Sommernacht oder die Suche nach dem Paradies: Der Versuch, große Momente einzufangen, kann schnell kitschig enden. Durchweg gelungen hingegen ist dies dem Quartett um Herbert Pixner, das mit ansteckender Spielfreude akustische Bilder und Stimmungen in den Innenhof des Haberkastens heraufbeschwor. Das Ensemble namens Herbert Pixner Projekt ist schon lange kein Geheimtipp mehr, das Konzert war Wochen vorher ausverkauft.

Rund um den

Globus daheim

Ihr Programm war eine gelungene Mischung aus älteren, bekannten Stücken und Liedern ihres neuen Albums „Lost Elysion“. Auch bei ihrer Suche nach dem letzten Paradies legten sich die Musiker nicht auf ein Genre fest. Volksmusik trifft es nicht, wäre viel zu kurz gegriffen, denn Volksmusik á la Pixner ist rund um den Globus daheim, fühlt sich im Blues ebenso Zuhause wie im Bossa oder im Tango. Ihre Stücke bringen sie zupackend, hochemotional, fantasievoll und romantisch, ohne dabei ins Kitschige abzugleiten.

Dabei werden stets traditionelle Elemente transportiert – Tango mit der Harfe, Walzer mit der E-Gitarre und Bossa mit der Diatonischen. Ebenso wie bei den Genres legen sich die Musiker auch bei den Instrumenten nicht fest. Herbert Pixner im folkloristischen Westernhemd spielte auf der Steirischen Harmonika, Klarinette, Trompete, Saxofon, Flügelhorn und einem Euphonium. Seine Schwester Heidi Pixner zupfte die Saiten der Harfe, Werner Unterlercher Kontrabass und E-Bass und Manuel Randi spielte Flamenco-, Gipsy- und E-Gitarre.

Versetzt wird das Ganze mit einer hohen Dosis Humor von Herbert Pixner, der sich als gekonnt-ironischer Unterhalter entpuppte. So etwa, wenn er über die Entstehung eines Blues erzählte, der aus einer hochgradig depressiven Laune heraus geboren wurde, wie sie nur bei Fönlage in Salzburg aufkommen kann.

Viele Stücke klingen nach Filmmusik, manche erzeugen Glücksmomente – verträumte Musik zum Händchenhalten. Sie vertonen aber auch gruselige, schräge Geschichten, wie etwa die „Sage von der Sennen Tuntschi“. Die handelt von drei Sennenburschen, die berauscht vom Absinth eine Strohpuppe aus Lumpen kreieren. Die leibhaftig gewordene Puppe, die von den Burschen missbraucht wurde, tötet die drei am Ende auf grausige Art. Horrorstoff, der für E-Gitarristen Manuel Randi eine gefundene Projektionsfläche bot, um sein Können fulminant in Szene zu setzen.

Ob rasend oder ganz leise: Die Stücke kamen unangestrengt rüber, weil sie stets melodisch sind, wohl Überraschungen enthalten, aber keine schrägen Brüche. Ein Genuss für die Ohren, der durch das Schauspiel zwischen Pixner und Randi höchst unterhaltsam anzuschauen war. Je nach Thema schmachteten sie sich an, buhlen miteinander, als hätten die Steierische und die Gitarre eine leidenschaftliche Affäre.

Zum Abschluss kündigte Herbert Pixner etwas typisch Bayerisches an, etwas wie „Unsere alte Kath“, einem Zwiefachen. „Schwer zum Tanzen, kompliziert für die Musiker“, so Pixner. Aber wenn die Bayern einen Zweiviertel- und einen Dreivierteltakt zusammenbringen, dann könne das der Tiroler wohl auch. „Wir haben von „Unsere alte Kath“ nur das Gerippe übriggelassen, und es mit unserem tirolerischem Lokalmatador Michael Jackson kombiniert zu „Dirty Kathy“.“ Pixner Humor. Das Ergebnis war eine wilde Sause, bei der Steirische und E-Gitarre miteinander tanzten.

Einziger Wehrmutstropfen des rundum gelungenen, hochklassigen Konzerts war das nasskalte Wetter. Bilanz: Zwei Zugaben und mehrfach stehende Ovationen.

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