Virtuose Barockmusik in St. Vitus

von Redaktion

200 begeisterte Besucher lauschten in Jettenbach Eva Barbarino und Florian Sonnleitner

Jettenbach – Rund 200 Gäste lockten Eva Barbarino und Florian Sonnleitner in das Barockkonzert des Heimat- und Kulturkreises Jettenbach. Am Samstag lud der Verein in die Jettenbacher Kirche Sankt Vitus. Unter dem Titel virtuose Barockmusik spielen die Musiker Stücke unter anderem von Heinrich Ignaz Franz Biber, Carl Philipp Emanuel Bach und Georg Philipp Telemann. Es ist das dritte Konzert mit der Mühldorfer Cembalistin in Jettenbachs Gotteshaus. Die Reihen sind im Kirchenschiff wie auch auf der Empore gefüllt.

Ein ungewöhnliches Konzert ist zu hören. Ungewöhnlich, weil selten ein Cembalo gespielt wird. Aber auch die Auswahl der Stücke beschreitet ungewohntes Terrain: Ein Stück in C-Moll und Fantasien lediglich zum Ergötzen der Zuhörer sowie Freiheiten in der Interpretation. Das alles sei ungewöhnlich für die Zeit, als die Kompositionen entstanden sind, erläutert Violinist Sonnleitner. Aber es lässt sich gut nachvollziehen, wie der Musiker alleine oder mit wenigen Gästen im privaten Wohnzimmer spielt und frei interpretiert. Doch immer wieder ist ein Thema mit seinen zahlreichen Variationen zu erkennen, wie es für die Barockkompositionen so bekannt ist. Während Sonnleitner leicht dahin spielt, ist Barbarino eine unglaublich hohe Konzentration anzusehen. Einfach scheint das Spielen auf einem Cembalo nicht zu sein. Und tatsächlich: Es leide unter den Wetterumschwüngen und der hohen Luftfeuchtigkeit, sagt die Musikerin wenig später. Und auch immer wieder könne eine Taste haken, entschuldigte sich Barbarino. In der Pause muss das Instrument schließlich gestimmt werden.

Doch das Konzert leidet keineswegs: Immer wieder verleitet die Musik dazu, mit den Gedanken abzuschweifen, den Alltag hinter sich zu lassen. Es entstehen Vorstellungen über noble Gesellschaften in großen Sälen, im Reifrock tanzende Damen. Unterstützend wirkt hier die Wahl des Ortes: Die hohe, alte Kirche, die verzierten Bilder, der Eingang über den Hof mit riesiger Kastanie. Die Akustik ist der Musik würdig, an der Tür zur Kirche begrüßt Kerzenschein die Zuschauer.

Ein Konzert nur bei Kerzenschein wird es aber leider nicht: Das Notenlesen wäre wohl unmöglich geworden. Auch, wenn Sonnleitner weite Strecken nahezu auswendig spielte. Nach der Pause scheint ein Scheinwerfer auf die beiden Musiker. Auch wenn es sich Musik aus einer einzigen Epoche handelt, ist die Auswahl der Stücke sehr variantenreich: Das Cembalo spielt ein Solo-Stück, auch Sonnleitner an der Geige spielt Solo. Und selbst gemeinsam sind die Instrumente einmal eher begleitend, einmal eher dominant und dann wieder wetteifernd, gleichwertig, miteinander.

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