Tüßling – 67 Jahre ist Roland Kaiser geworden, 67 Auftritte hatte er in der legendären ZDF-Hitparade von Dieter Thomas Heck. Er singt im Übrigen nicht nur, er schrieb auch Texte für Peter Maffay, Milva, Nana Mouskouri oder Karat.
Jetzt ist Roland Kaiser zu seinen Fans nach Tüßling gekommen – und die sind von weit her angereist. Auf dem Parkplatz sind Autokennzeichen aus Regensburg und Wien, aus Weilheim oder Nürnberg zu sehen.
Der Schlosspark der Gräfin Stefanie Bruges von Pfuel ist wie geschaffen für den Auftritt des Kaisers: Die weitläufige Rasenfläche vor der Bühne bietet Tausenden von Besuchern Platz, links und rechts zwei gut gefüllte Tribünen mit Sitzplätzen, vor der Schlosswand die Bühne. Zwei große Videoleinwände versorgen die Fans mit Bildern, teils von der Bühne, teils von den Zuschauern.
Um Punkt 20 Uhr betritt der Kaiser des deutschen Schlagers die Bühne und wird enthusiastisch begrüßt. Gekleidet ist er mit einem grauen Anzug mit Weste, weißem Hemd, roter Krawatte, rotem Einstecktuch, ganz gentlemanlike. Begleitet von einer zwölf-köpfigen Band unter der musikalischen Leitung von Joachim Radloff legt er gleich los.
Drei neuere Titel heizen die Stimmung an, eingefleischte Fans können den jeweiligen Text auswendig: „Wir sind stark und unbequem“, „Wohin gehst Du?“ und „Kein Problem“. Es ist eine geschickte Mischung aus alt und neu, die Roland Kaiser vorträgt. Immer wieder singt er Lieder aus seiner musikalischen Anfangszeit wie „Dich zu lieben“.
Etwas aus der Reihe fällt „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben“, eher ein Volkslied als ein Schlager. Roland Kaiser kann aber auch international, „Südlich von mir“ bietet Sambaklänge, abgeschlossen von einem starken Schlagzeugsolo.
Den ersten Höhepunkt bildet einer seiner größten Erfolge: „Santa Maria“. Viele der älteren Fans fühlen sich in ihre Jugendzeit zurückversetzt. Überhaupt die Fans, sie umspannen alle Altersgruppen, von Jung bis Alt. Einer verlorenen Liebe trauert Roland Kaiser in „Halt mich noch einmal fest“ nach, ähnlich ist „Und wer küsst mich?“ gestrickt, bevor er mit „Manchmal möchte ich schon mit Dir“ wieder einen Oldie auspackt. Der gesamte Abend, der ohne Pause mit den Zugaben zweieinhalb Stunden dauert, lebt von der Stimme des Sängers, die obwohl reifer, dennoch ungebrochen, markant klingt. Etwas behäbig wirkt die Bühnenshow Kaisers, die eher statisch daherkommt, von gelegentlichen Gesten oder Witzchen unterbrochen. Er scheint sich an seinem Mikrofon festzuhalten.
Mit hereinbrechender Dunkelheit kommen die Laserspots auf der Bühne mit ihren wechselnden Farben zur Geltung, jetzt wirken auch die pink blinkenden Kaiserkrönchen, die sich viele, vor allem weibliche Fans, aufgesetzt haben.
Mit „Liebe kann uns retten“, einem Song gegen Intoleranz, erreicht Kaiser den Höhepunkt des Abends. Um mitmachen zu können, kann man am Verkaufsstand weiße Tücher kaufen, der Erlös geht an die Stiftung „Ein Herz für Kinder“. Tempotaschentücher tun es aber auch, sagt Roland Kaiser. Es ist ein beeindruckendes Bild, wenn die weißen Tücher im Tüßlinger Schlosspark geschwenkt werden.
Sein Duett mit Maite Kelly „Warum hast Du nicht Nein gesagt?“ wurde zum YouTube-Hit, es wurde 108 Millionenmal geklickt, das Lied kommt auch gut an. Natürlich steht Maite Kelly nicht auf der Bühne. Dieses Duett bildet eine Zugabe, genauso wie der Oldie „Joana – Geboren um Liebe zu geben“, die Schlager „Schachmatt“ und „Sag ihm, dass ich dich liebe“. Ein Wunsch begleitet die glücklichen Fans mit auf den Nachhauseweg: „Habt Zeit zum Lieben, Lachen, Träumen. Habt Zeit zum Leben.“ Roland Kaiser hat seinen Fans in zweieinhalb Stunden alles gegeben. Nur die „Sieben Fässer Wein“ hat er im Keller stehen lassen.