Wer auch immer das Drehbuch zum dritten Kultursommerabend in Tüßling geschrieben hat, hätte einen Oscar verdient. Für diesen einen magischen Moment, der alles über das Konzert von Mark Forster aussagt. Es ist das große Finale, der letzte Trommelwirbel, der Schlussakkord. Forster winkt ein letztes Mal, rückt sich das Cap zurecht und verlässt die Bühne. Und der Himmel weint.
Es ist kein fetter Regenguss, der plötzlich über den Schlosspark hereinbricht. Es sind erst einmal nur ein paar Tropfen. Tränen der Freude über ein wirklich schönes Konzert, an dem das „Orchesterchen“ – wie Forster seine zehnköpfige Band liebevoll nennt – genauso viel Anteil hat wie der Star selbst.
Nach dem schüchternen Support von Lutz Rode und dem dezenten Akustik-Auftakt „Flash mich“ stellt Forster die Regeln auf: „Wenn ich sage ‚Tüßling geht’s euch gu-hut?‘, dann antwortet ihr ‚Ja-ha‘.“ Im Lauf des Abends gewinnt das „Ja-ha“ an Kraft, wird immer lauter. Der Gute-Laune-Pop des Gute-Laune-Mark greift schnell auf die 8500 Fans im Schlosspark über und lässt sie bis zum Schluss nicht mehr los. „Alle Hände in die Luft“ und „Everybody klatscht“ muss dann auch niemand mehr erklären.
Dabei lebt die Stimmung an einem Abend von und mit Mark Forster nicht von einer bis auf die letzte Bewegung durchgestylten Show, sondern vom Spaß und der Unbeschwertheit auf der voll besetzten Bühne. „Wir haben heute Nachmittag mal ganz standesgemäß im Schloss abgehangen und Tennis gespielt wie die Weltmeister“, sagt Forster.
Verausgabt hat sich auf und neben dem Tennisplatz jedenfalls keiner. Die Musiker sind auf den Punkt fit und haben es verdient, alle namentlich genannt zu werden: von Alex Grube (Bass), Anna Guder (Gitarre), Daniel Nitt und Christopher Noodt (beide Keyboard) über Reiner Hubert (Drums), Jemma Endersby und Rachel Scharnberg (beide Gesang) bis hin zu Nils Wrasse (Saxofon), Tim Hepburn (Posaune) und Fritz Moshammer (Trompete). Den Pokal für den schweißtreibendsten Job gewinnt der Chef: Forster schwitzt auf der Bühne wie ein Weltmeister.
Ein paar Tropfen Angstschweiß kommen dazu, als er sich alleine ans Klavier setzt. „Ich mag es nicht, öffentlich Klavier zu spielen“, sagt er. Für die gefühlvolle Ballade „Genau wie du“, die er seinem Vater gewidmet hat, tut er es dennoch – und greift glatt zweimal daneben. „Sorry“, sagt Forster. In diesem Augenblick sind ihm dann auch die letzten Sympathiepunkte sicher.
Doch der Mann mit Kappe, Brille, Bart kann natürlich auch richtig laut. Bestes Beispiel: Das toll arrangierte „Karton“ aus der „frühen“ Forster-Phase (2012) setzt das Orchesterchen mit sattem Bläsersound in den ausverkauften Schlosspark: ein echtes Brett. Dass die Party zu diesem Zeitpunkt nicht schon unaufhaltsam ihren Lauf nimmt, liegt am Künstler selbst. Er dosiert das Tempo, indem er die Hits über den Abend verteilt.
So ist „Liebe“ eine Tour für alle Altersgruppen, für Eltern und Kinder. Ganz gleich ob leidenschaftlicher Fan oder nur Musikfreund: Mark Forster und sein Orchesterchen haben für jeden etwas im Schaufenster. Sogar Sido lässt sich kurz blicken – via Fake-Videoanruf pünktlich zum Duett „Danke, Danke“. Dann schlägt die Stunde der 8500 Kehlen: „Wir sind groß“ ist die Schulabschlusshymne einer ganzen Generation. Mit „Au Revoir“ sagen Forster & Orchester zum ersten Mal auf Wiedersehen – und kehren doch noch einmal zurück, um die „Chöre“ singen zu lassen.
Groß und Klein tanzen gemeinsam vor der Bühne und auf den Rängen, noch einmal geben Sänger und Musiker alles. Mit „Bauch und Kopf“ klingt der Abend gefühlvoll aus, ehe der Himmel genau im richtigen Moment seine Schleusen öffnet. Au Revoir, Mark Forster. Bis zum nächsten Mal.