Eleganz und Sinnlichkeit

von Redaktion

Das „Ensemble Mosaïque“ beendet die Sommersaison der Ameranger Schlosskonzerte

Amerang – Schon seit 54 Jahren gibt es die Ameranger Schlosskonzerte. Auch in diesem Jahr hatte der Schlossherr Ortholf von Crailsheim eine bunte Mischung von Konzerten angeboten, die für jeden etwas bietet: Klassische Kammerkonzerte, Volks- und Popmusik, Jazz und auch Opern auf kleinstem Raum. Über 10000 Besucher kamen zu den insgesamt 34 Konzerten. Und oft gibt es reizvolle Entdeckungen. So auch im letzten Konzert der heurigen Sommersaison: Das „Ensemble Mosaïque“ spielte Musik von Mozart und Debussy in der Besetzung Streichquartett mit Flöte und Harfe, die aparte Klangmischungen verspracht.

Für Debussy, so sagte die Flötistin Alice Guinet in ihrer kundigen Moderation, bedeute französische Musik „Klarheit, Eleganz sowie sinnlich wahrnehmbare Schönheit: Denken Sie an Mozart!“ Und benannte damit die programmatische Klammer: Eleganz und Sinnlichkeit.

Sinnlichkeit brachten nicht nur die körperreiche Klangfülle der Streicher mit Anna Kakutia und Yulia Miropolskaja (Violinen), Vadim Makhovskyi (Viola) und Michael Weiß (Cello), sondern auch der Glitzerglanz der Harfe, farbenvoll gespielt von Barbara Pöschl-Edrich. Und Eleganz herrschte bei allen: Eleganz der bebenden Phrasierung, Eleganz im natürlichen Zusammenspiel und Eleganz in der Souveränität der Darbietung.

Was den beiden Ouvertüren der Mozart-Opern („Entführung aus dem Serail“ und „La Clemenza di Tito“) vielleicht an dramatischer Wucht fehlte, ersetzten die Musiker durch lebendige Grazie, gut konturierte Klarheit und erstaunlich klangvolle Anmut. Viel Pedalarbeit leisten musste die Harfenistin in Mozarts Adagio und Rondo für eine Glasharmonika, weil Mozart hier durch viele Tonarten schreitet. Aber höchst reizvoll war der fragile und gläsern-opake Klang, den die Harfenistin mittels ihrer Anschlags- und Zupfstärke variierte.

Ganz zauberhaft dann war Mozarts Konzert für Flöte und Harfe: höfisch-elegante Rokoko-Musik, die gut in den Schlosshof passte. Das Tempo war geeignet zum Aussingen und Ausschwingen der Phrasen und die Flöte von Alice Guinet hatte den Mozart’schen sehnsuchtstraurigen Ton auch in der sonnigsten Heiterkeit: Schwermut in der Süße.

Ausdrucks- und blutvoll blies Alice Guinet das Prélude à l’après-midi d’un Faune von Debussy, das Ensemble machte die Binnenstruktur dieses Werkes klar und blieb trotzdem sinnlich-klangvoll. Impressionistisch rauschen durfte die Harfe dann in den Deux Danses von Debussy, in denen die Streicher zwischendurch einen wohlig gedämpften Klang produzierten.

Die Zuhörer waren enthusiasmiert und erklatschten sich eine Zugabe: einen Satz aus der Symphonie „Die Uhr“ von Haydn.

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