Au am Inn – Hofmeir – der Name hat, scheint’s, magnetische Anziehungskraft, gehen ihm die Namen Andreas und Martin voraus. Andreas Martin Hofmeir – da klingelt’s beim Musikfreak, gleich welcher Couleur: Das ist der Barfüßler mit dem g’schlamperten Pferdeschweif, der wie kein anderer die Tuba bläst, die den Namen Fanny trägt und der seine Brötchen im Salzburger Mozarteum als Professor für den richtigen Umgang mit eben diesem gewichtigen Blasinstrument verdient.
Dass es gelang, das weitum bekannte Holledauer Musiker-„G`wachs“ in die Klosterkirche von Au am Inn zu einem mit dem Titel „Nordwinde“ eher ausgefallen klingenden sonntagnachmittäglichen Konzert zu bringen, ist der Umsicht des Managers vom „Förderverein Mathis-Orgel Stiftskirche Mariä Himmelfahrt Klosterau e. V.“, Martin Kebinger zu verdanken. Er stellte das Konzert, zu dem sich die Kirche, wie sich’s gehört, ansehnlich füllte, mit zwei denkwürdigen Ereignissen in Zusammenhang: „15 Jahre Auer Mathis-Orgel“ – die Schweizer Orgelbaufirma Mathis errichtete 2004 das königliche, 2000 Pfeifen starke Instrument auf der Auer Klosterkirchen-Empore. Und die Auer Kirchen-Brandkatastrophe vom 15. September 1969.
Kebingers Logistik-Talent reicht weiter: Er konnte Hofmeir eine würdige Partnerin zur harmonischen Untermalung seiner Tuba-Blaskünste zur Seite stellen: die aktuell von den Benediktinerinnen auf dem Salzburger Nonnberg als Kirchenmusikerin engagierte Organistin Barbara Schmelz. Sie ist ein Jahrzehnt jünger als Hofmeier. Das von ihm angekündigte Orgel-Tuba-„Duell“ fällt – mit den 2000 Pfeifen der brillanten Mathis-Orgel vielleicht zahlen oder mengen-mäßig stärker ins Gewicht für den männlichen Part des Orgel-Tuba-Gespanns aus – bei genauer Betrachtung kommt aber Barbara Schmelz keineswegs zweitrangig weg: Die 31-Jährige trat nämlich in Au – was selten ist – auch als Komponistin in Erscheinung. Nach drei lyrischen Stücken von Edvard Grieg und John Rutters der Gregorianik nahem Song „Of a Rose, a lovely Rose“ improvisierte Schmelz spieluhrenhaft leicht und tänzerisch über ein schwedisches Sommerlied. Noch zweimal war sie solo dran: bei der Interpretation des schwedischen Volkslieds „Auf unserer Wiese“ und bei dem lustig modulierten Buxtehude-Präludium mit Fuge in D-Dur BWV 139 (das Kürzel BWV steht für Bach wie auch für Buxtehude).
Vorher hatte die Tuba erklecklich viel zu tun – die sich bei Grieg und Rutter wunderbar hatte aufwärmen können. Ralph Vaughan Williams‘ „Six studies in English folksongs“ (15 Minuten), Rachmaninoffs auch aus Tuba-Mund anrührend klingende „Vocalise“ und die sich überraschend hochromantisch gerierende „Meditation“ des Zeitgenossen Martin Akerwall führten zielsicher auf zwei Tuba-lastige Kompositionen von erlesenem Gehalt zu: die umfangreiche zweite „Nocturne“ („Rautjärvi aus Matkalla“) des Holledauers Jörg Duda, geboren 1968, der im finnischen Gestus schreibt und Jacob Gades „Tango Jalousie“, einem „Rauswerfer“, der noch einmal den Konzerttitel „Nordwinde“, allerdings auf ziemlich freche Weise, unterstrich. Den von der melancholischen Grundstimmung dieses durch den Gegensatz der dunklen Weichheit, manchmal auch Behäbigkeit der Tuba und der oft hellen, glitzernden, etwas spitzbübisch gehändelten Manual-Registrierung der Mathis-Orgel gekennzeichneten Konzertes womöglich eingetrübten Besucher munterte die strahlende Auer Spätsommersonne auf.
Man war sich einig: „Musik am Inn“ kann, muss aber nicht derart erstklassig tönen, um das Hochgefühl eines gewonnenen Sonntagnachmittags aufkommen zu lassen. Für die Neugierigen: Die Hofmeir/Schmelz-Zugabe stammt aus der Feder der britischen Komponistin Joy Webb und heißt „Share my yoke“. Und das heißt: Teile mein Joch.