Psychogramm eines „Provokators“

von Redaktion

Ausstellung im Ganserhaus Ein Nachruf auf das Leben von C.A. Wasserburger

Wasserburg –Wer nur des Schokoladen-Penisses wegen ins Ganserhaus kommt, wird enttäuscht sein. In der Ausstellung über C.A. Wasserburgers „Hinterlassenschaft“ steht nicht plumpe Nacktheit oder aufdringliche Sexualität im Vordergrund. Ja, sie ist Teil dieses Künstlerlebens, aber auf natürliche und selbstverständliche Art.

Künstler verstarb

nach einer Herz-OP

Den Besucher erwartet eine Art Nachruf auf das Künstlerleben des C.A. Wasserburger – und auch ein Psychogramm. Die Ausstellung, die am Samstag, 28. September, mit einer ungewöhnlichen Vernissage eröffnet wird, gibt den Blick frei auf einen vielschichtigen, streitbaren und eigensinnigen Mann, der im Juli 2018 unerwartet nach einer Herz-OP im Alter von 77 Jahren verstarb.

Er war eine markante Künstlerpersönlichkeit und hieß mit bürgerlichem Namen Alexander Hatzl – natürlich war er alles andere als bürgerlich. Seine Tochter Silvia Hatzl, ebenfalls Künstlerin und mit dem wundersamen Ort und dem Anwesen Untereinöd bei Au am Inn – wo er einst lebte – verhaftet, wenn sie nicht gerade in Brüssel wirkt, konzipiert diesen Blick auf ihren Vater gemeinsam mit Katrin Meindl, Zweite Vorsitzende des AK68.

„Einen richtigen Aufreger, so wie früher, mit Nacktheit“, wünschte sich „der Alex“, als er mal wieder in seinem Ganserhaus war. Gemeinsam mit Meindl hatte der Mitbegründer des AK68 eine Idee ausgesponnen. Sein Tod kam dazwischen.

„Aber das kriegen wir noch für ihn hin, das mit dem Aufreger“, freut sich Meindl zusammen mit Hatzls Tochter, als sie die Ausstellung aufbauen.

Alexander Hatzl lebte in Untereinöd und später in Wörth bei Au/Inn. Auf seinen Visitenkarten firmierte der markante Kopf, der international eine beachtliche Karriere als Maler und Objektmacher hinlegte, als „Provokator“.

Berühmt

durch Bleibilder

Berühmt wurde er durch seine Bleibilder, die auf der Basler und der Chicagoer Messe gezeigt wurden. Er stellte in Japan aus und war in der Dorothea-van-der- Koelen-Sammlung zu finden. Hoch hinaus schaffte er es – und ließ dann alles sausen.

„Er wollte nicht Teil des Kunstbetriebes sein und sich selbst vermarkten. Er wollte leben und das Leben genießen. Seinen Rückzug nahmen ihm die Galeristen übel“, weiß seine Tochter, die auch das von ihm zeigen möchte, was ihn vor der Berühmtheit ausmachte. Darunter die frühen Ölbilder, die im Erdgeschoss des Ganserhauses hängen. Eine klassische Retrospektive in chronologischer Ordnung darf man nicht erwarten. Auch wenn das Gezeigte mit dem Tod des Künstlers und dem „Nichts“ endet.

Der Betrachter taucht ein in die Auseinandersetzung mit der Hirnforschung und in Alexander Hatzls Hirn. Er setzte sich mit Zeit, Raum und Gott auseinander. Ihn beschäftigte der eigene Tod. Und der „Lebensscheißdreck“. Auch stellte er die Kunst per se infrage. Und die Wahrnehmung.

Manch Konservativer mag sich beleidigt fühlen von der Jesus-Serie auf Blei, die kopfüber hängen muss – wie sie es auch in der Galerie der Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst in München bis vor Kurzem tat. Gemeinsam mit Werken seiner Tochter Silvia Hatzl, die damit in einen Dialog mit denen des Vaters trat.

Dieser war Egomane, Exzentriker und Zweifler. „Er sagte, auch der Zweifel müsse angezweifelt werden“, berichtet Silvia. Wenn sie von ihrem Vater erzählt, spürt man eine tiefe Verbundenheit. Auch wenn es sicherlich nicht einfach war, als Kind eines so exzentrischen Vaters aufzuwachsen. Ein Mann, dessen Energie so viel Raum einnahm, dass es schwierig war, in seiner Nähe zu existieren. Seine Ehe hielt das nicht aus.

C.A. Wasserburger war glücklich und gleichzeitig schwermütig. Er liebte die Frauen, das Leben und die Liebe. Sexualität sah er isoliert von moralischen Zwängen. „So war er seinen Lebensliebesfrauen treu – seelisch gesehen. Und die Frauen wussten das“, so Silvia Hatzl.

Wunderschöne, kleinformatige Fotos habe sie dazu im Nachlass des Vaters gefunden. Nur jene, die ihn allein nackt zeigen, voller Hochgefühl durch Endorphine, werden ihren Platz in der Ausstellung finden.

Sein Penis-Abguss ist Teil einer Installation, eines größeren Ganzen aus vielen Details, wie es der Künstler zu Hause stehen hatte. Aus frechen kleinen Störungen und Stilbrüchen – wie etwa dem Affenschädel oder beschrifteten Klorollen auf den Gemälden.

Porträts von sich, meist nackt, von Vulven seiner Geliebten oder fernöstlichen Schönheiten in Collagen. Oder seines Katers. „Nichts war künstlich – und doch inszeniert“, beschreibt die Tochter seinen Wohnstil.

Einen besonderen Augenmerk bekommt die Engelsammlung. Darunter natürlich die erratischen Engel, die etwas Erotisches oder Frivoles haben. Gezeichnet auf Karten, versehen mit tiefgründigen Sprüchen. Über die man vermutlich Stunden diskutieren und philosophieren kann.

Auch darüber, ob Gott, der bekanntlich alles ist und sein kann, eine Weißwurst ist. Hatzl hat das so festgehalten.

Konzert für Kreissäge und Percussion

Weißwürste gibt es bei der Vernissage, die am Samstag, 28. September, um 19 Uhr im Ganserhaus beginnt, zu zuzeln. Doch davor wird es um 17.30 Uhr eine Prozession von der Plätte am Skulpturenweg zum Marienplatz geben, wo um 18 Uhr das Percussion-Kreissägen-Konzert auf die „Hinterlassenschaft“ eines Exzentrikers einstimmt.

Die Öffnungszeiten von 29. September bis 27. Oktober: Donnerstag bis Sonntag jeweils von 13 bis 18 Uhr.

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