Waldkraiburg – „Aah, Comics! Die ultimative Vereinigung von Text und Bild! Egal, ob du Strichmännchen mit Hüten kritzeln möchtest, die sich über Goldhamster-Fußball unterhalten oder einen malerischen Graphic Novel über die Abholzung des Regenwaldes planst: Dieser Workshop …“ Stopp. Hier wird schon vorgegriffen. Auf eine Veranstaltung für Jugendliche von 14 bis 18 Jahren im Foyer des Hauses der Kultur am Samstag, 12. Oktober, 14 bis 17 Uhr. Der zitierte Leiter heißt Cornelis Jettke. Er kam mit zwei Kollegen (von elf eingeladenen) zur Vernissage von Elke Keipers neuer Ausstellung „Comic Future – Future Comic“. Sie hätte sich wegen des Zeitpunkts Sonntag, 15 Uhr, nicht entschuldigen müssen. Es kamen genug Interessierte – woran?
Altehrwürdige Vorfahren
Am Phänomen Comic? Nach dessen Zukunft Museumsleiterin Elke Keiper fragt. Nicht weil sie diese im Dunkeln sieht, eher deshalb, weil sie zeigen will: So sieht die Comic-Landschaft heute aus – regional begrenzt, versteht sich – und so oder auch ganz anders könnte diese Zukunft des Comics aussehen. Denn, wie sie und ihre Vorrednerin Margit Roller klarmachte, hat der Comic seine echt altehrwürdigen Vorfahren – in der Trajans-Säule in Rom, im Teppich von Bayeux oder in einer von Schiller 1786 verfassten Bilder-Geschichte – wie er seine nicht weniger echten Chancen darin hat, eine andere, gute Möglichkeit des Lesens der Lektüre zu sein: Bild, Text, Sprechblasen-Gedöns: „Brrfff!“, „Beng!“, „Tschworr!“.
Gernot Sorgner, nicht nur Waldkraiburgern als Kunstmensch ein Begriff: „Ich hab im Kunstunterricht immer gesagt: Ihr könnt auch zeichnen, was ihr sagen wollt. Und das hat super geklappt.“ Sich in Bildern ausdrücken – das liegt manchen Teenies viel mehr, als etwas in Worte zu fassen, womit sie sich oft schwertun.
Genau das denkt man sich, wenn man die Runde macht und die Exponate an den Wänden betrachtet: Da wollen sich junge Leute per Bild und Bild-Sequenz ausdrücken, weniger verbal als ikonisch. Wie schön. Wie witzig. Wie amüsant. Wie – ja, komisch.
Dazu hat der Comic seit jeher verholfen. Die gezeigten Beispiele – viele junge Leute, die sich per Comic ausdrücken, kommen zu Wort, das heißt in diesem Fall: zu Bild – sagen: Es gibt viele Möglichkeiten, sich comic-artig auszudrücken: mit welchen Farben ich arbeite, ob ich auf Papier oder Leder zeichne, ob ich Riesenformate oder Postkartengrößen bevorzuge, ob ich Visionen auf einem wandlangen Tableau ausbreite oder in Serien, ob gerahmt oder lose, ob frech oder verhalten, ob lustig oder ironisch, ob mit einer Story oder in kleinen Schritten, die sich erst zum Ganzen fügen.
Da sitzt Michaela Aidam, die erste in der alphabetischen Liste der geladenen, jedoch zur Vernissage nicht vollständig erschienenen Zeichnerinnen, und erzählt: In Rotthalmünster geboren, in die Heimat (heißt: Bad Füssing) zurückgekehrt, wollte sie die Geschichte des Comics als Fries darstellen. Bis sie sich versah, wurde daraus die Geschichte der Menschheit. Die endet bei ihr in den Gemeinsamkeiten der Religionen. Letzte Szene: Ein Kerl sitzt vor dem PC und nimmt gar nicht wahr, dass Atomkrieg herrscht. „Also“, sagt Michaela, „sind wir wieder in der Steinzeit angelangt.“ Sie will frei arbeiten. Workshops im Zeichnen für Kinder und Jugendliche halten sie über Wasser. Sie hat, sie ist ein Talent. Für die Zukunft des Comics.
Workshops zu
der Ausstellung
Wie auch andere der in Waldkraiburg Ausstellenden, nicht zuletzt die beiden Teenies Luise Schamper und Luca Stangl aus der Region. Manchmal sind es nur Proben ihres Könnens, am wenigsten sind es fertige Arbeiten. Geschichten erzählt auch Cornelis Jettke. In dunklen Farben. Etwas schauerlich. Geheimnisvoll. In Schwarz-Blau-Weiß. Sein „Strich“ ist versiert, aber nicht klischiert, sein Witz verlangt Zeit, dahinter zu kommen, was gemeint ist. Jettke ist nicht der einzige, der – zur Ausstellung – Workshops gibt.
Kerstin Gemander lädt Kinder ab acht Jahren ein am Samstag, 19. Oktober, 14.30 bis 16.30 Uhr, zu „Tick-Tack-Comic“. Und die Stadtbücherei fragt: „Hast du einen Lieblings-Comic-Helden?“ Ob da am Herbstferien-Montag, 28. Oktober, von 10 bis 11.30 Uhr schon Siebenjährige kommen und ihr eigenes Superhelden-Abenteuer schreiben? Mal sehen.